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Propriozeption

Da ich vieles tag-täglich immer gleich tue, wird mir selten bewusst, dass ich das regelmäßig immer auch auf die gleiche Art und Weise tue. Erst wenn ich etwas Neues und Ungewohntes beginne, merke ich, wie schwierig es sein kann, alte Gewohnheiten aufzugeben und eingefahrene Muster neu zu gestalten.

Bei körperlichen Aktivitäten nennen wir es den Sechsten Sinn, der mich mich so bewegen lässt, wie ich mich eben bewege, also ohne bewusst zu wissen oder gar darüber nachzudenken, in welcher Position sich die einzelnen Körperteile gerade befinden. Die Schwierigkeit ist nur, dass ich über das Bisherige hinaus Propriozeption nicht einfach machen kann, ich muss sie erst einmal geduldig einüben.

So wie ich ein stimmiges Körpergefühl brauche, um mich in der jeweiligen Situation angemessen bewegen zu können, brauche ich auch Propriozeption im Denken. Da begegne ich nämlich der gleichen Problematik. So wie ich dank einer neuen Herausforderung „begriffen“ habe, dass meine körperliche Propriozeption erheblich reduziert war, habe ich das auch für mein Denken verstanden, nur dass es beim Denken erheblich schwieriger ist, es überhaupt zu bemerken.

Ich „sehe“ mich beim Denken viel zu selten bewusst, allenfalls kann ich, wenn ich sehr aufmerksam bin, im ernsthaften dialogischen Gespräch ahnen, wo ich gerade gedanklich unterwegs war. Voraussetzung ist, ich bringe dafür die erforderliche Offenheit und Ehrlichkeit mit.

Ich darf dabei nicht vergessen, dass mein Denken nicht bewusst geschieht. Vor ein paar Tragen hatte ich einen interessanten und sehr realistischen Traum, über den ich noch immer grüble. Mir ist einfach noch nicht klar, was die Beweggründe waren, dass ich genau das träumte beziehungsweise dachte. Aber das kann ich lernen, zu wissen, was ich dachte, jedoch ohne es explizit zu wissen. Eben über Propriozeption.

In diesem Video demonstriert eine Frau Körperbeherrschung und eine andere musikalische Beherrschung. Eine faszinierende Ästhetik, wenn man einmal die Deko ignoriert. In beiden Fällen handelt es sich um Propriozeption. Eine entsprechende Propriozeption in meinem Denken zu erreichen, das ist mein Ziel. Aus diesem Grund suche ich auch mein Leben dialogisch zu gestalten, denn nur im Dialog kann mir bewusst werden, wo ich mich gerade gedanklich bewege.

Entscheidend sind nicht die Ideologien, denen ich zu folgen glaube, sondern die, in deren Raum ich mich tatsächlich bewege. Wie gesagt, mein Denken und damit auch die Ideologie, der ich folge, sind mir kaum bewusst. Was ich implizit denke, kann ich nur empfinden, nicht aber bewusst darüber nachdenken. Und genau deshalb hilft mir die Propriozeption des Denkens, zu empfinden, was ich tatsächlich denke, aber ein Empfinden jenseits von Emotionen.

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