Praktische Theorie

Was immer wieder für Theorie gehalten wird, ist tatsächlich Praxis. Nicht einfach zu erklären, also mache ich einen Umweg: Ich besitze eine iPhone, das ich ganz selbstverständlich „praktisch“ anwende. Nun denken viele, dass ein iPhone eben ein Smartphone wie jedes andere auch ist. Handy ist eben Handy.

Doch das stimmt nicht. Jedes iPhone ist ein Smartphone, aber nicht jedes Smartphone ist ein iPhone. Warum nicht? Weil ein iPhone ein Smartphone mit dem Betriebssystem iOS ist. Die Smartphones anderer Hersteller als Apple aber haben ein anderes Betriebssystem, eben Android. Und das macht den wesentlichen Unterschied zwischen einem iPhone und einem Android-Smartphone, was in der Benutzeroberfläche erleb- und erfahrbar ist.

Bei uns Menschen ist das ganz ähnlich. Jeder Mensch denkt. Doch warum können sich Menschen dann über das streiten, was sie denken? Weil sie auch unterschiedliche Betriebssysteme haben, sie verfügen über unterschiedliche Denkstrukturen. Was auf dem Handy die Benutzeroberfläche, ist bei uns Menschen das Weltbild.

Bei einem iPhone ist das Prinzip der Einfachheit ganz wesentlich. Das war die Leitidee von Steve Jobs, dem Gründer von Apple: Einfachheit. Seit ich begriffen habe, dass das auch beim Denken eine Rolle spielt, habe ich Wilhelm von Ockhams Rasiermesser zu schätzen gelernt:  Das Prinzip der Parsimonie oder Sparsamkeitsprinzip.

Ein Prinzip, das in der Natur überall zu finden ist. Komplizierte Dinge haben keine lange Lebensdauer. Kunst beispielsweise ist immer einfach, nie kompliziert – aber nicht einfach zu realisieren. Auch eine einfache Lebensform verlangt Einiges an Überlegung.

Es gibt also eine philosophische Struktur, die jedem Weltbild zugrunde liegt. Das bedeutet für mich, hadere ich mit Inhalten, muss ich mich mit dem zugrunde liegenden Weltbild befassen. Ist das nicht eindeutig erkennbar, dann muss ich noch eine Ebene tiefer steigen und die Philosophie dahinter ergründen. Und merke ich dann, dass die unzutreffend ist, überarbeite ich sie und suche sie stimmig zu machen.

Daher ist es sehr Praxis bezogen, sich mit dem philosophischen Hintergrund zu beschäftigen. Tritt ein inhaltlicher „Fehler“ auf, findet sich die Lösung in der Betrachtung der Philosophie. Es ist die Form, die die Inhalte bedingt.