Organisation

Organisation hört sich so schrecklich technisch an – ist es aber nicht.

Bereitet mir etwas ein „Problem“, ist das wohl eine Folge unzureichender Organisation. Dazu fiel mir gerade – wie ich finde – eine sehr interessante Verbindung von zwei nicht zusammenhängen Dingen auf, die jedoch eines gemeinsam haben: Meine Art, mich zu organisieren.

Denken und Verdauung haben etwas gemeinsam: Arbeiten sie problemlos, sind sie mir nicht bewusst. Nur wenn etwas nicht stimmt, ich ein „Problem“ damit habe, etwas nicht verdaut oder eben nicht verstanden habe, werden sie mir – störend bis unangenehm – bewusst.

Etwas Weiteres haben beide Körpersysteme auch gemeinsam: Ihre Allergie gegen Zuviel. Doch das liegt nicht unmittelbar an ihnen selbst, es ist keine Fehlfunktion. Ich nenne es Überfütterung. Esse ich zu viel, werde ich dick. Und denke ich zu viel, denke ich (erst einmal) Gedanken, die zu nichts führen, außer dass sie lästig werden, sie werden mir unangenehm bewusst – wie meine Fettpolster. Interessant ist, dass – jedenfalls bei mir – beides oft Hand in Hand geht.

Gerade haben meine Frau und ich beschlossen, unsere Küche neu zu organisieren. Einmal, was gekocht wird und auch, wo was steht. Das sollte den Hüftspeck verschwinden lassen. Und bei dem Denken ist es nicht anders. Im Flow verschwinden unnötige Gedanken auch – so wie der Hüftspeck bei stimmiger Ernährung.

Fazit: Alles eine Folge des Inputs und der Organisation.

Und weil Innen und Außen nicht nur zusammenhängen, sondern ein in sich differenziertes Eines sind, gehe ich davon aus, dass die bessere äußere Organisation eine bessere innere Organisation mit sich bringen wird.

Das wirft die interessante Frage auf, ob das Thema ‚Organisation‘ vielleicht in allem steckt. Es ist ja bekannt, dass die ‚Beziehung‘ der einzelnen Dinge zueinander ganz wesentlich ist, andererseits in der Art der Beziehung eine spezifische und meist nicht bewusste Organisationsstruktur sichtbar und damit erkennbar wird. ‚Organisation‘ klingt nur so furchtbar technisch. Aber ist sie das wirklich?

Liegt nicht auch emotional konnotieren Begriffen wie Liebe oder Zuneigung eine dem entsprechende (jedoch nicht bewusste) Organisation zugrunde? Ein eher banales Beispiel: Meinen aufgeräumten Schreibtisch empfinde ich ganz anders als meinen unaufgeräumten. Sind meine Empfindung letztlich nichts Ursprüngliches, sondern die Folge einer – für mich (!) – stimmigen Organisation?

Ich bin gerade auf Amrum und schaue auf die See, genieße die Weite und Tiefe, die ja auch nichts anderes ist als die Folge von Organisation. Und es nimmt mir meine Empfindungen nicht, wenn ich darin eine spezifische Organisation erkenne. Ganz im Gegenteil, gibt mir das doch die Möglichkeit, meine Beziehungen so zu gestalten, wie ich sie mir wünsche.

Das ‚Thema‘ Organisation habe ich in einem mir sehr nahen und unmittelbar erlebbaren Kontext kennen und zu schätzen gelernt: Bei meinem Körper. Organisiere ich ihn (also mich) nicht korrekt, tut mir über kurz oder lang etwas weh oder ich kann mich nicht mehr gut und leicht bewegen.

Also alles „nur“ eine Frage der Organisation? Wenn das so ist – und ich glaube das mittlerweile – hat es einen erstaunlichen Vorteil: Organisiere ich mein Außen bewusst, organisiere ich damit auch mein mir nicht bewusstes Inneres. Sicher ist, dass das Innere mein äußeres Verhalten bedingt. Mein mir nicht bewusstes Inneres ist in meiner äußeren Organisation für mich erleb- und erfahrbar. Das bedeutet, dass ich das auch umkehren kann und durch eine bewusste äußere Organisation mein Inneres gleichermaßen organisieren kann.

Einen Haken hat das Ganze leider: Ich muss bereit sein, die inneren Widerstände zu überwinden. Denn es hat ja einen Grund, wenn ich mich nicht optimal organisiere. Nur muss ich den nicht wirklich wissen, es genügt, seine Auswirkungen bewusst wahrzunehmen.