Ordnung

Das Leben in Ordnung bringen sagt sich leicht. Doch wie geht das? In meinem Text über Beziehungen wird (jedenfalls hoffe ich das) deutlich, dass hinter Erlebbarem etwas steht, das sich nicht mit Worten beschreiben lässt. Doch man kann es leben: Ordnung. Man kann es übrigens auch ausdrücken, nur ist das wesentlich schwieriger: Mit Mathematik.

Mir bewusst zu machen, dass ich mit Mathematik verstehen kann, was dahinter steht, macht es mir leichter, es zu erfahren. Ich orientiere mich da gedanklich immer gerne an der Musik. Niemand wird bestreiten wollen, dass uns Musik emotional erreicht, auch wenn es bei einem Mitschüler, mit dem ich ein Zimmer teilte, leider Country-Musik war. Ihn erreichte sie positiv, mich nicht.

Doch diese Art der Musik und die Musik Bachs haben, so unterschiedlich sie sind, eines gemeinsam: Sie folgen einem Ordnungsprinzip, das sich mathematisch beschreiben lässt. Hier finden Sie ein Video dazu. Was ich als Harmonie erlebe, lässt sich mathematisch ausdrücken.

Wenn ich mein Zimmer wie ein Musikstück empfinden würde, wäre es mit ziemlicher Sicherheit ordentlicher. Also sollte ich mir einfach ein Bild davon machen, wie ich mein Zimmer empfinden möchte – und das dann umsetzen? Oder mir vorstellen, wie ich erscheinen will und mich dann entsprechend kleiden?

Jedenfalls bringe ich in der Musik, die ich höre, mit meiner Ordnung, meiner Kleidung bis hin zu meinem Motorrad mich selbst zum Ausdruck. Ich brauche nur all das genau wahrzunehmen und lerne mich (im positiven Sinn!) kennen. Es ist also kein Seminar über Selbsterkenntnis erforderlich, sondern ich brauche nur wahrzunehmen, welche Ordnung ich lebe.

Vor gut einer Woche habe ich einen leichten Motorradunfall gehabt, an dem ich noch immer etwas zu knabbern habe, meine Hand ist noch nicht wieder in Ordnung. Da ist sie wieder, die Ordnung. Da ich meinen Fahrstil nicht rechtzeitig in Ordnung gebracht hatte, ist jetzt meine Hand noch nicht in Ordnung.

Nicht anders ist es mit meiner Familiengeschichte. Auch hier war einiges in Unordnung. Erst als ich da wieder Ordnung hineingebracht habe, es verstehen konnte (was nicht bedeutet, einverstanden zu sein), kam auch ich wieder in Ordnung. Dass das so lange gedauert hat liegt vielleicht daran, dass ich nicht wahrnahm, dass die Unordnung der Familiengeschichte sich in meiner eigenen psychischen Unordnung widerspiegelte, was ganz leicht an der Ordnung in dem Text-Speicher auf meinem PC zu erkennen war – nur war ich da tatsächlich ganz unverstellt ich selbst und brauchte mich nicht vor den kommentierenden Blicken anderer zu verstecken.

Es ist ein fataler Fehler zu denken, Ordnung sei das halbe Leben. Es bedingt definitiv das ganze Leben. Bringe ich meine Dinge in Ordnung, bringe ich mich selbst in Ordnung.

Nur was ich als ‚Ordnung’ ansehe, ist nicht das, was andere dafür ansehen, sondern was ich reflektiv als stimmige Ordnung erkannt habe. Dabei hilft mir das Bewusstsein für das Ordnungsprinzip. Das gilt für jeden gleichermaßen, auch wenn die jeweilige Ordnung eine andere ist.