Ohne Ethik geht es nicht

Es gibt keine Ideologie und keine Religion oder Geisteshaltung, die von sich aus „gut“ wäre.

Nicht einmal Meditation ist das. Man kann das sehr gut am Buddhismus sehen, der in der Zeit von 1933 bis 1945 von vielen führenden NS-Vertretern hofiert wurde, entsprach doch das Prinzip der inneren Unberührtheit und steten Gelassenheit genau ihrem eigenen Verständnis.

Eugen Herrigel wie Karlfried Graf Dürckheim, glühende Nationalsozialisten, wurden in der Nachkriegszeit in der buddhistischen Szene hofiert, kaum einer erinnerte sich an ihre Nähe zum Nationalsozialismus. Dürckheim, so hat es der Religionswissenschaftler Karl Baier in seinem Aufsatz ‚NS-Mystik und militanter Zen‘ nachgezeichnet, empfand die Freiheit von Furcht und Trauer sowie die Kultivierung eines ‚inneren Raumes’, die nicht zuletzt durch rituelle Teezeremonien in den Kampfpausen erlangt werde, als geradezu vorbildlich.

Solche kaltblütige Auslegungen des Gelassenheitsdenkens sind allerdings keineswegs Geschichte. Auch wenn sie nicht in faschistischer Form daherkommt, werden buddhistisch inspirierte Ratgeber und Entspannungsübungen von Managern und Unternehmern schon lange benutzt, um im kompromisslosen Kampf um Marktanteile einen klaren Kopf zu bewahren.

Nicht die Ideologie, der ich folge ist ‚richtig‘, sie kann immer nur ein Weg zur Realisierung meiner eigenen Ethik sein. Meine Ethik und ob ich ihr wirklich folge, das ist entscheidend, nichts sonst.