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Die Form macht den Unterschied

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Die Form definiert den Inhalt

Am Ende dieser Gedanken möchte ich noch einmal auf das zurückkommen, was ich in mittlerweile in meinem Denken als den größten Hemmschuh überhaupt erkannt habe; ein Hindernis, das nur sehr, sehr schwer zu überwinden ist. Hätte ich das früher erkannt, dann hätte ich mich wahrscheinlich nicht so oft so lange im Kreis herumgedreht. Aber es tröstet mich, dass nicht nur ich lange Zeit falsch gedacht habe.

Inhalte sind nun einmal das, was das Leben ausmacht. Was wäre ein Glas Wein ohne Inhalt? Oder ein inhaltsfreies Gespräch? Dabei wissen wir „eigentlich“ doch längst, dass der Inhalt nur die Folge von etwas anderem ist. Wenn die Beziehung zwischen zwei Menschen nicht stimmig ist, dann bleibt es allenfalls bei einem oberflächlichen Smalltalk. Höflich, aber unergiebig und letztlich unbefriedigend. Keine Tiefe, keine Substanz, keine Lebendigkeit.

Der Kommunikationstheoretiker Marshall Mc Luhan erkannte, lange bevor es Social Media überhaupt gab, dass das Medium die Botschaft ist. Nicht die Dinge selbst sind ursächlich dafür, was ich wahrnehmen kann, sondern die mir zur Verfügung stehende Erkenntnistheorie, „meine“ Epistemologie definiert, was ich überhaupt wahrzunehmen in der Lage bin. Aber nicht nur Mc Luhan hatte dies erkannt, auch die Quantenphysiker erkannten das Gleiche, als sie zu verstehen begannen, dass Materie, also die Substanz, der Inhalt, sich in Wohlgefallen auflöst, je genauer sie hinschauten. Mit anderen Worten: Materie ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist die Form.

Auch Rhetorik definiert, wie ein Gespräch verläuft, und nicht etwa der Inhalt, denn die Rhetorik definiert letztlich den Inhalt, also das, was bei dem gegenüber ankommt. Doch wir sehen meist nur den Inhalt und übersehen das Wesentliche, nämlich die Form. Ich persönlich bin durch die Gestaltung meiner Internetseiten draufgekommen, als ich über die Seite „Zen Garden“ stolperte. Was auch immer in einer Website steht, ihre Form definiert das, was beim Leser ankommt.

Und genau deswegen kümmere ich mich in erster Linie um die Form. Die Inhalte sind mir natürlich nicht egal, aber die folgen der Form auf dem Fuß. Und das ist vor allem auch beim Denken so.