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Kosmisch denken

Haben Sie sich einmal gefragt, was Sie in diesem Universum überhaupt sind? Und was Sie hier tun? Ich habe mir diese Frage schon als junger Mensch gestellt, und die hat mich wohl auch dazu gebracht, Physik zu studieren. Aber nur 6 Semester lang, denn an der Frage der Unendlichkeit bin ich letztlich grandios gescheitert. Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen, doch genau das war es, was ich wissen wollte: Wer oder was bin ich in diesem Kosmos? Wo komme ich her und wo gehe ich hin? Und bei diesen Fragen stand mir die Unendlichkeit eindeutig im Weg.

Dass ich irgendwie ja auch Kosmos sein muss war mir irgendwie schon lange klar. Aber realisieren konnte ich das erst später, nämlich nachdem ich mein naheliegendes Umfeld, also meine Familie und die damit für mich einhergehenden Fragen (um es höflich auszudrücken) geklärt hatte. Dann erst war ich in der Lage, den nächsten Schritt zu machen, weiter zu gehen und meinen Gedankenhorizont zu verschieben. Als ich dann mit meiner Frau auf einer Hurtigruten-Reise war, saß ich oft gegen 3 Uhr ganz alleine auf dem Deck, nichts war da, was mich störte, über mir der Sternenhimmel, um mich die Weite der See und ich betrachtete den Mond und manchmal auch gleichzeitig die aufgehende Sonne. Das brachte mich immer wieder aus meinem gewohnten Denken heraus, ich musste meine tradierten Vorstellungen von Tag und Nacht relativieren. Ich verlor mich regelrecht in die Situation, einen Seinszustand, den ich auch schon als Kind und Jugendlicher kannte, der mir da jedoch eher Angst machte, denn es bedeutet die Aufgabe des Gefühls sich auszukennen.

Wenn ich - und vielleicht jeder andere auch - die Grenzen des Bekannten überschreite, dann packt mich etwas Gewaltiges, zieht mich regelrecht hinein, so dass ich oft Angst bekomme, dass es mich verschlingt. Doch wenn ich es aushalte, dem standhalte, dann offenbart sich mir eine andere, höhere und vor allem wort- und gedankenleere Wirklichkeit. Doch die meisten Menschen sind davor ja gefeit, einfach weil sie sich weiter im konventionellen Denkraum bewegen und nur die Oberfläche sehen können. Oder wollen.

Das Kosmische umgreift immer auch das Seelisch-Geistige Das Geistige ist in meinem Verständnis kosmisch und das Kosmische ist geistig, nicht abstrakt, sondern existenziell und fundamental, ganz grundsätzlich. Und keineswegs mystizistisch, sondern sehr pragmatisch. Nur eben sehr, sehr schwer auszudrücken. Es ist ein innerer Raum, den ich eigentlich kenne und doch auch wieder nicht. Mein Verstand sagt mir, dass ich ja nicht außerhalb des Universums existieren kann, dass ich also eins mit dem Kosmos bin; doch der Versuch, das zu verstehen und in Worte zu fassen, legte sich immer wieder wie ein Schleier darüber. Es war wie ein Entweder-Oder. Ich konnte es entweder empfinden oder darüber sprechen. Doch mittlerweile gelingt es mir zunehmend, beides in Übereinstimmung zu bringen, ohne diese zeitliche Fragmentierung. Ich darf mich einfach nicht immer wieder von dem „Ich weiß schon …“ einholen und verführen zu lassen.

Mein Menschenbild korrespondiert immer auch mit meinem Weltbild, mit meiner Vorstellung vom Göttlichen und vom Ganzen. Das fordert mich auf, die eigene Sicht auf den Anderen weit und grundsätzlich genug zu fassen. Je enger ich die Grenze ziehe, je „kleiner“ ich also den Anderen denke, desto kleiner mache ich mich dabei zwangsläufig selbst. Und wenn ich den Kosmos als Symbol für das Universum jenseits einer materiellen Vorstellung sehe und das in seiner ursprünglichen Bedeutung als Schönheit, Ordnung und Harmonie verstehe, dann fällt es mir immer leichter, die Welt und den Kosmos in meinen Gedanken wie in meinen Empfindungen nicht mehr fragmentiert zu betrachten.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich so fasziniert vom Motorradfahren bin. Denn da verbinden sich für mich zwei scheinbar voneinander getrennte Ebenen miteinander, nämlich die Verstandes- und Gefühlsebene. Und im Idealfall verschmelzen sie, werden eins.