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Mysteriöse wunderbare Welt

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Eine Frage der Notwendigkeit

Immer wieder komme ich und sicherlich auch andere in Situationen, in denen ich eigentlich weiß, dass ich etwas tun sollte, es aber eben doch nicht tue. Das kann bei banalen Dingen so sein, aber auch bei existenziellen Dingen.

Etwas zu wissen heißt leider noch lange nicht, mich auch entsprechend zu verhalten. In meinem Gehirn gibt es nun mal keinen Chef, der sagt, wo es lang geht oder gehen soll. Das Gehirn ist nichts anderes als ein gigantisches Netzwerk. Und wie in einer Gruppe von Menschen kann auch in meinem Gehirn Uneinigkeit darüber bestehen, was jetzt zu tun wäre. Und das wird dann basisdemokratisch entscheiden. Das ist die erste Hürde.

Die nächste Hürde ist, dass ich nicht unmittelbar wahrnehmen kann. Ich kann ja immer nur das wahrnehmen, was ich auch denken kann. Ohne entsprechende Theorie keine Wahrnehmung, Und die Fälle, in denen wir etwas erkennen, ohne dafür eine Theorie zu haben, stürzt uns erst einmal regelrecht ins Ungewisse. Bis wir endlich wieder eine Theorie gefunden haben. Was ich also als wahr ansehe, muss es tatsächlich nicht sein. Man muss sich nur einmal überlegen, wie die Dinge in den eigenen Kopf kommen und sich den Weg der Wahrnehmung bewusst machen. Am Ende steht immer ein absolut faszinierendes und zugleich mysteriöses intellektuelles Dekodierungsprogramm.

Klar ist, dass die Welt, die ich sehe, allein in meinem Kopf entsteht und auch nur dort existiert. Farbe, Geschmack, Töne, all das, was die Welt bunt und lebenswert macht, existiert nicht außerhalb meines Kopfes. Nun ist das bei anderen Menschen (und natürlich auch Tieren und Pflanzen) aber definitiv genauso. Eine Antwort auf die Frage, wie denn das vonstatten geht habe ich aber leider nicht. Doch es wäre fatal, dies wegen Fehlens einer logischen Erklärung zu ignorieren.

Dann kommt wieder eine Hürde, denn im Kosmos gibt es weder Richtiges noch Falsches. Nur Folgerichtiges. Doch das bedeutet nicht, dass ich mit meiner Wahrnehmung nicht vollkommen falsch liegen könnte. Aus der persönlichen Perspektive gibt es für mich selbst sehr wohl richtig und falsch, etwa, wenn ich von ausgehe, was aber nicht sein kann. Das kann offensichtlich sein, etwa, wenn ich glaube, ohne Hilfsmittel fliegen zu können, es kann aber auch weniger offensichtlich sein, etwa wenn ich denke, dass das Geschlecht nicht (ohne Hilfsmittel) änderbar ist (Fische können schon mal ihr Geschlecht wechseln). Und es kann auch komplett falsch sein, etwa wenn ich glaube, dass die Erde eine Scheibe ist.

Noch Lust auf die nächste Hürde? Ich selbst kann mich nicht beobachten. Wie auch? Also brauche ich den anderen, der mir sagt, wie ich denn so bin. Und das muss ich dann auch aushalten, was ich da so zu hören bekomme. Ist ja so eine Sache mit dem Selbst- und dem Fremdbild. Doch natürlich will ich nicht in die Abhängigkeit von der Beurteilung anderer kommen. Also definiere ich selbst die Regeln, nach denen ich leben will. Doch das Controlling delegiere ich an andere, denn ich selbst kann mich ja nicht wirklich einschätzen, ich kann ja nicht Subjekt und Objekt gleichermaßen sein.

Wenn ich das verstanden habe, dann entsteht für mich ganz automatisch die Notwendigkeit, mich auch entsprechend zu organisieren. Damit fängt es überhaupt erst an, mit der Notwendigkeit. Sonst bleibt es nämlich nur ein Gedankenspiel, ein Sturm im Wasserglas.