Offene Fragen

Ich weiß nicht, wann ich angefangen habe, mich selbst zu hinterfragen. Jedenfalls war mein Leben für mich irgendwann irgendwie nicht mehr „in Ordnung“. Im Nachhinein gesehen war es jedoch das Beste, was mir passieren konnte, denn dadurch wurde so manche offene Frage beantwortet und manche Illusion zerplatzte.

Begonnen hat es Anfang der 90er Jahre mit einem Persönlichkeitstraining, das dann in der Suche nach Fakten in der Familiengeschichte endete, was mich bis heute beschäftigt; vor allem, welche Konsequenzen daraus für mich zu ziehen sind.

Eigentlich nicht erstaunlich, dass ich nur dann Antworten bekommen habe, wenn ich gefragt habe – und doch war ich bei jeder neuen Erkenntnis irgendwie überrascht, weshalb mir das nicht schon vorher jemand gesagt hat. Dabei hatte ich einfach nicht gefragt.

Vor allem hatte ich mein Weltbild lange Zeit nicht hinterfragt. Zu selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass ich wüsste, was Sache ist. Was aber nicht den Tatsachen entsprach. Der Artikel von Nikolaus Gerdes „Der Sturz aus der normalen Wirklichkeit und die Suche nach Sinn“ lies dann mit der Zeit mein Verständnis von den Menschen wie in einen von Termiten zerfressenen Holzbalken in sich zusammenfallen.

Ich hatte bis dahin immer versucht, mich von der Philosophie her der Wahrheit zu nähern, also mit den Gedanken von Jiddu Krishnamurti wie denen von Hui Neng und Huang Po, wahren Meistern des Ch’an. Nur war das ein sehr steiler Weg.

Als ich mich – weshalb auch immer – von der wissenschaftlichen Seite, insbesondere der Quantenmechanik her dem Ganzen zu nähern suchte, konnte ich die philosophischen Überlegungen von Krishnamurti wie Hui Neng und Huang Po wesentlich leichter akzeptieren – weil ich erkannte, dass es tatsächlich so ist, wie sie es beschreiben.

Wissenschaftlich Erkenntnis verhalf mir zur eigenen Erkenntnis, was mir dann wiederum den Weg zur Philosophie eröffnete. Wenn etwas wissenschaftlich nicht zu bestreiten ist, habe ich definitiv die Wahl:

Entweder ich leugne es – oder ich lasse mich darauf ein.