Natürlichkeit

Als Anwalt war für mich klar, dass man immer auch die Lebensumstände desjenigen berücksichtigen muss, der etwas tut. Schließlich machen die Lebensumstände – also auch die Anderen – aus, wie man wird beziehungsweise geworden ist. Die Frage ist, ob das tatsächlich zutrifft.

Ich denke, das es das nicht tut. Das ist keine Frage einer gesellschaftlichen Moral, auch keiner persönlichen, sondern eine Frage der Ordnung der Gruppe, in der man lebt. Ich schreibe ganz bewusst nicht „Ordnung in der Gruppe“, sondern „Ordnung der Gruppe“.

Ich spreche auch bewusst nicht von Gesellschaft, denn die Menschen haben sich mittlerweile Regeln gegeben, die alles sind, aber nicht im Einklang mit der Ordnung des Kosmos stehen. Die „Ordnung der Gruppe“ müsste statt dessen – wie alles Natürliche – auf der kosmischen Ordnung basieren.

Es ist also die Frage, was „natürlich“ überhaupt bedeutet. Natürlich ist nicht, wovon viele ausgehen, weil es die anderen auch tun, sondern das, was im Sinne des Kosmos „richtig“ ist, was sich also in die kosmische Ordnung einfügt.

Seit der Mensch das Geschehen auf der Welt zunehmend selbst bestimmt ist es nicht so einfach zu wissen, was für uns noch wirklich natürlich ist. Alles, was einen anderen Menschen schädigt oder ausgrenzt, wie ein „Benutzen“ anderer Lebewesen, ist ein „no-go“.

Natürlich esse ich Fleisch, doch das setzt für mich artgerechte Haltung voraus. Genauso frage ich, wer die Stoffe liefert, die ich beispielsweise in meinen Geräten nutze. Das bedeutet ganz klar, mir Gedanken über das zu machen, was ich mache und Einfluss zu nehmen, wo ich Einfluss nehmen kann.

Die Schwierigkeit für viele ist, dass es kaum noch Vorbilder gibt, die das leben. Wir sind daher aufgefordert, unseren eigenen Weg zu finden und selbst zu entscheiden, was uns „richtig“ erscheint. Jedenfalls ist etwas nicht deswegen „normal“, weil es viele andere auch tun.

Man wird nie, wie man ist, weil die Umwelt „so“ war, sondern weil man sich entscheidet, „so“ darauf zu reagieren.