Mit einander reden

Eine wirkliche Kunst. Mir ist das gerade wieder einmal aufgefallen, als ich ein Gespräch mitbekam. Er, technikverliebt, stellte fest, dass auf einem Tablet Programme wesentlich reduzierter dargestellt sind als auf einem Laptop oder Rechner. Als Beispiel nannte er das Amazon-Programm.

Seine Gesprächspartnerin, eher pragmatisch orientiert, stellte fest, dass das doch kein Problem sei, sie bestelle alles auf dem Tablet, auch bei Amazon. Er versuchte noch einmal zu erklären, dass doch auf einem Tablet viel weniger dargestellt würde als auf einem Laptop / Rechner, doch das überzeugte sie nicht. Damit war das Gespräch der beiden beendet.

Für mich ist das eines der Beispiele, wie wir ständig aneinander vorbei reden und nur weniges ernsthaft klären. Dabei wäre es doch so einfach gewesen, einfach einmal das Amazon-Programm auf dem Tablet und einmal auf dem Rechner aufzurufen und beides miteinander zu vergleichen, um dann auf Grund der Faktenlage eine Feststellung zu treffen – und eben nicht nur aufgrund der jeweiligen Meinungen.

Erst einmal die Fakten feststellen, sich dann eine Meinung bilden, was man ja auch kann, wenn man sich mit niemandem darüber unterhält. Mir fällt auch an mir selbst immer wieder auf, dass wir lieber gleich diskutieren, statt dass wir mit Hilfe der Ansichten des anderen unsere eigene Meinung verifizieren würden, das Gespräch also als Gelegenheit zur Klärung einer Sachlage nutzen würden statt gleich zu diskutieren.

Mir fällt das auch bei Nachrichten auf. Da möchte ich oft fragen, wie die Reporter denn zu ihren Ansichten kommen. Man könnte wirklich denken, viele meinen lieber, als dass sie fragen würden. Das wirkliche Problem ist, dass viele sich nicht nur bei relativ banalen Dingen so verhalten, sondern auch dann, wenn es um uns selbst geht.

Wir, man sehe mir diese Verallgemeinerung einmal nach, haben oft schneller eine Meinung über jemanden anderen, als dass wir wissen wollten, was er denn genau getan hat und ihn fragen würden, wieso er das getan hat und weshalb. Erst dann können wir ihn erst fragen, weshalb er es nicht anders gemacht hat.

Letztlich ist das eine Aufforderung, ernsthaft über die Dinge des Lebens nachzudenken und nicht nur eine Meinung zu haben. Wenn man das bei einfachen Dingen macht, hat man eine gute Wahrscheinlichkeit, dass man es dann auch bei Dingen tun, wo es ernst wird.