Konvention

Der Mensch ist bekanntlich ein Herdentier. Daher fällt es ihm schwer, als Einzelgänger zu leben. Mir auch. Nur habe ich damit meine Schwierigkeiten, denn auch ich lief viele Jahre mit einer Maske herum und tue es teilweise immer noch. In Japan hat man zwei Begriffe dafür: Honne und Tatemae – den echten Gefühlen und dem Bild, das man in der Gesellschaft darstellt.

Auch bei uns ist das öffentliche Verhalten stark von Konventionen, Erwartungen anderer und der beruflichen Position geprägt. Die Sozialen Medien haben hier einen erheblichen Einfluss. Auf FaceBook beispielsweise verwundert mich oft, dass Bekannte Dinge von sich geben, die sie in der Begegnung nie sagen würden. Ich bin auch auf FaceBook, denn ich will ja wissen, wie die Menschen denken.

Doch genau darin liegt ein Problem: Ich ziehe mich aktuell immer mehr zurück, schreibe nur noch selten, ernsthafte Gespräche sind schwierig geworden. In Japan nennt man Menschen Hikikomori,  die sich manchmal für ein Jahr völlig zurückziehen und den realen Kontakt mit der Außenwelt auf ein Minimum reduzieren. Doch das ist nichts anderes als eine Flucht und keine Lösung.

Vordergründige Offenheit und gleichzeitige Oberflächlichkeit ist die weit verbreitete Maskerade im Westen. Diese Maske habe auch ich lange getragen. Bis ich merkte, wie ich mir damit selbst geschadet habe. Gebe ich im Gespräch vor etwas zu sein, bin ich also oberflächlich, dann prägt das meine Denkstruktur.

Also muss ich mir dafür eine Lösung einfallen lassen, ähnlich wie die Sapeurs in den Straßen von Brazzaville und Kinshasa.