Ist das so?

Wenn ich richtig „unterwegs“ wäre, dann müssten die Anderen das nicht nur erkennen, sondern auch selbst erfahren. Das war die Aussage eines Bekannten, die mich nachdenklich machte, denn meine Erfahrung ist eine andere. Also habe ich ihm gesagt, dass ich einmal darüber nachdenken werde.

Erst einmal bin ich zu der Überzeugung kommen, dass sie es vielleicht ahnen werden, aber erkennen müssen sie es nicht. Im Normalfall. Wirklich erkennen werden es nur die, die sich auf der selben geistigen Plattform befinden wie ich. Das bedeutet nicht, dass die schlauer als andere wären, nein, sondern nur, dass sie anders denken. Denn das Universum ist zwar eins, aber in sich differenziert.

Doch was bedeutet das? Ganz einfach, wir sind eben nicht voneinander getrennt, nur differenziert. Das aber macht einen gewaltigen Unterschied im Verhalten aus. Doch um das zu erklären, muss ich erst einmal ganz nach unten, sozusagen. Ich muss zum Ausgangspunkt, nicht des Wahrnehmbaren, sondern des Erkannten. Und das kann sich eben unterscheiden. Das definiert die geistige Plattform, von der ich oben sprach.

Dank der modernen Wissenschaften wissen wir heute, dass die wahrnehmbaren Dinge im Universum tatsächlich nur scheinbar voneinander getrennt sind, auch wenn wir sie so wahrnehmen und auch erleben. Da diese „Trennung“ tatsächlich eine Illusion ist, kann man nur von einer Differenzierung sprechen, mehr aber auch nicht. Sie können mich entweder von vorne oder von hinten betrachten, also differenziert, aber sie können beide Ansichten nicht als von einander trennbar ansehen, auch wenn sie sehr unterschiedlich sind.

Wenn also alles das Eine ist, dann sind beispielsweise meine Frau und ich zwar differenziert, aber nicht voneinander getrennt. Das bedeutet nicht, dass das, was ich sage oder denke, sie auch sagt oder denkt, das nicht. Das wäre so, als könnten Sie mein Gesicht sehen, wenn Sie mich von hinten sehen. Dafür ist das jedoch die falsche Perspektive.

Wenn sich meine Frau und ich selbst bewusst sind, dass wir nicht nur gedanklich, sondern wirklich Eins sind, was passiert dann? Nun, wir würden aufhören, uns als getrennt wahrzunehmen, sondern eben als differenziert. Dann würden wir erst einmal nicht mehr streiten, wenn wir nicht einer Meinung sind, sondern das dialogisch klären. Im Dialog gibt es ja kein gegeneinander und in diesem Sinne kein ‚richtig‘ und kein ‚falsch‘, sondern nur subjektive Meinungen.

Halte ich etwas für ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, dann ist das immer nur meine Ansicht, aber nie eine objektive Wahrheit. Kann es auch nicht sein, wenn alles Eins ist. Und das gilt es einfach zu leben. Oder wie Jon Kabat-Zinn sagt:

„Die wahre Meditation ist, wie du dein Leben lebst.“

Die Frage ist nur, wie man das in unserer schnelllebigen Gesellschaft leben kann; eine Frage, die sich viele Menschen stellen, vor allem die, deren Beruf direkt damit zusammenhängt. Es ist die Frage, die sich mir auch immer wieder stellt: Kann diese Wahrheit in unserer Gesellschaft überhaupt gelebt werden? Die Antwort darauf gibt Krishnamurti in dem unten angefügten Video. Denn natürlich kann ich das, ich brauche nur den Gedanken aufzugeben, dass ich von allem anderen getrennt wäre. Dann wird mir klar, dass die Gesellschaft nicht von mir verschieden ist, ich selbst ein Aspekt dieser Gesellschaft bin.

Ich gebe zu, dass das erst einmal nicht so einfach zu akzeptieren ist, betrachtet man einmal unsere Vergangenheit oder auch, was tagtäglich um uns herum geschieht, dann möchte man immer gerne eingreifen. Doch genau ist die Schwierigkeit, denn erst einmal müssen wir uns selbst in Ordnung bringen, dann erst können wir tun, was angemessen ist. Natürlich schaue ich nicht zu, wenn jemand einen anderen verletzt, doch ich handle so gut ich es hinbekomme nach den Prinzipien des Aikido. Aber schauen Sie sich einfach einmal das Video von Krishnamurti dazu an.