Immer dieser Ärger mit den Begriffen!

Man kann sich so wunderbar darin verheddern und auch völlig verlieren.

Sobald ich begrifflich etwas formulieren kann, muss ich es in meiner bildlichen und geistigen Vorstellung definiert haben. Ich sehe keinen Schrank, weil da ein Schrank steht, sondern weil ich das, was da steht, als Schrank definiert habe.

Früher sah ich auch keinen Vogel im Vogelhaus, sondern ich definierte es als Vogel und sah dann einen Vogel. Dummerweise glaubte ich auch noch zu wissen, was ein Vogel ist. Doch das bedeutete nicht, dass ich gewusst hätte, was einen Vogel ausmacht – aber ich habe es unreflektiert geglaubt, Auch wenn ich jemanden kenne, bedeutet das noch lange nicht, dass ich ihn wirklich kennen würde. Ich kann es nur glauben.

Fakt ist, indem ich etwas benenne und ihm einen Namen gebe, beginnt es in meinen Gedanken wie meiner Vorstellung zu existieren. Aber existiert es wirklich? Ist es einfach nur ein Phänomen, nicht mehr, nicht weniger? Oder nehmen Sie mich. Klar, könnten Sie denken, der schreibt ja gerade. Aber definiert mich das? Sicher nicht, denn was bin ich dann, wenn ich zu schreiben aufhöre? Zwar existent, nur als was?

Genauso wenig wie ich nicht als Autor existierte, bevor ich mit schreiben begann. Also wäre es unzutreffend zu sagen, dass ich als Autor existieren würde. Aber es wäre wohl auch nicht zutreffend zu behaupten, dass es mich als Autor nicht gibt, denn ich sitze ja hier und schreibe. Also trifft beides nicht zu.

Oder machen Sie es etwas größer. Vor meiner Zeugung gäbe es mich nicht und auch nicht nach meinem Tod. Jedenfalls nicht so, wie andere mich kennen. Wenn Sie jetzt denken, ich sei ein Phänomen, dann werden Ihnen das einige bestätigen. Nur wie die das meinen, das ist die andere Frage. Ich sag ja, nicht so einfach mit den Begriffen!

Die Frage ist, ob ich andere Menschen nicht genau so sehen sollte, also nicht festgelegt? Eigentlich logisch, nur nicht so einfach, andere auch immer so zu sehen. Oder den Schrank. Der steht ja da, doch im Grunde gibt es ihn nicht, denn er hat ja auch nicht als Schrank angefangen und endet auch nicht als Schrank. Aber meine Sachen kann ich reinpacken.

So zu denken ist bei dem Schrank nicht unbedingt nötig. Wenn er da ist, ist es gut, wenn nicht, dann auch. Er ist doch ziemlich dauerhaft. Blöd nur, wenn ich mich darüber ärger, wenn er nicht mehr da ist. Aber Menschen so zu „sehen“, das hat definitiv etwas.

Denn dann mache ich eins: Ich mache mir kein Bild von ihnen. Das Interessante ist, dass ich sie dann sehen kann – und eben nicht durch meine Begriffsbrille.  Nur wenn  ich sie wirklich sehe, kann ich sie auch verstehen. Ansonsten kann ich nur meine eigenen Ansichten und Vorurteile sehen – aber nicht den Anderen.

Will ich also wirklich sehen, muss ich die Ebene der Begriffe verlassen. Also denke ich phänomenologisch. Keine Begriffe, nur noch Phänomene, die entstehen und vergehen. Die Schwierigkeit ist, dass sich solche Überlegungen für mich erst einmal rein philosophisch „anfühlten“. Erst als ich dann sah, dass auch die moderne Physik zu den identischen Schlussfolgerungen gekommen sind, ließ ich mich wirklich darauf ein und erkannte, dass es genau so ist.