Bild



Bild

Aufbruch in ein anderes Leben

Bild

Re-signation

Manchmal ist es Zeit, sich sein Scheitern endlich einzugestehen. Und das hat definitiv etwas Gutes! Zu merken, dass man gescheitert ist, ist die Erkenntnis, dass man einen falschen Weg eingeschlagen hat. Und wenn man sein Tun dann im ursprünglichen Wortsinn re-signiert, also mit einem neuen Zeichen versieht, dann ist man auch auf einem guten Weg.

Seit ich vor drei Jahren meinen Motorradführerschein gemacht habe, bin ich dreimal gescheitert. Mit anderen Worten, ich habe mich langgelegt. Zwar ist nichts Schlimmes passiert, aber ich bin mit meinen Fähigkeiten gescheitert. Und ich habe es geschafft, das ins Positive zu transformieren. Ich habe untersucht, warum ich die Kontrolle über das Motorrad verloren hatte, habe mich dann beraten lassen, wie ich es besser machen kann und dann habe ich das geübt. Klarer Fall von Re-signation!

Aus individualpsychologischer Perspektive hatte die Re-signation bei mir die Einsicht ausgelöst, dass mein angestrebtes Ziel mit den mir damals zur Verfügung stehenden Mitteln nicht erreichbar war und ich etwas lernen musste. Ich wählte nicht die Alternative, die natürlich auch im Raum stand, dass ich mich nicht auf den erforderlichen Einsatz einlassen wollte.

Ich habe lange Zeit den Begriff „Streben nach Perfektion“ in Dürers Kunstverständnis wörtlich genommen. Mittlerweile habe ich „Perfektion“ durch den Begriff der „Totalität“ ersetzt. Denn vor allem bei Lebenskunst geht es um Kultur, und da findet sich auch die Totalität wieder, im totalitätsorientierten Kulturbegriff.

Anders als bei dem normativen, dem differenztheoretischen oder dem bedeutungs- und wissensorientierten Kulturbegriff ist der totalitätsorientierte Kulturbegriff geprägt von der Vielfalt und Verschiedenartigkeit der kulturellen Ausdrucksformen. Gemäß eines solchen nicht-normativen, ganzheitlichen Verständnisses, meint der Begriff „Kultur“ den Inbegriff aller kollektiv verbreiteten Glaubens-, Lebens- und Wissensformen, die sich ein Mensch im Zuge der Sozialisation aneignen und durch die er sich von anderen unterscheidet.

Ein solches Kulturverständnis ist wirklich „total“. Und total ich selbst zu sein zwingt mich mir bewusst zu sein, wie ich bin. Da gibt es keinen Common Sense hinter dem ich mich verstecken könnte.

Re-signation mit Totalität als neuem Zeichen. Das hat was.