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Persönliche Eindrücke

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Alleine und doch auch nicht

Auch die Kommunikation mit den anderen Verkehrsteilnehmern verändert sich offensichtlich. Jedenfalls ist das mein Gefühl. Nicht nur, dass man mit den anderen nicht reden und auch nicht, dass man nur durch Blickkontakt kommunizieren kann.

Ich habe oft das Gefühl, dass die Kommunikation auf einer ganz anderen Weise geschieht als wir es gewohnt sind. Da ist immer wieder die Frage ‚siehst du mich?‘, verbunden mit einem fragenden Blick, und oft habe ich dann das Gefühl, als sähe und hörte mich dann der Andere.

Kürzlich ist mir aufgefallen, dass sich viele Motorradfahrer über Autofahrer aufregen. Ich hingegen mache eher die Erfahrung, dass mir Autofahrer durchaus rücksichtsvoll begegnen. Natürlich sind da auch rücksichtslose Egoisten dabei, aber die sind klar die Ausnahme. Und ich rege mich über die nicht auf.

Jedenfalls fühle ich mich mit allem um mich herum viel mehr in Kontakt als etwa im Auto. Und ich wünsche mir oft, diese Form der Kommunikation würde auch im Alltag Einzug halten. Wortlos, aber sehr effektiv. Ruhig, freundlich, respektvoll, den anderen achtend. Und ohne den üblichen Smalltalk.

Gemeinschaft

Zum einen grüßen sich viele Motorradfahrer. Manche hingegen grüßen gar nicht, andere nur bestimmte Typen. Ich grüße immer zurück, von mir aus grüße ich eher selten. Mir ist noch nicht so ganz klar, warum ich den anderen grüßen soll. Nur weil er Motorrad fährt? Und in der Stadt nicht?

Aber vielleicht ist es ja eine andere Art des Sich-Anschauens. Wenn ich zu Fuß unterwegs bin fällt mir auf, wie selten sich die Menschen anschauen, wenn sie aneinander vorbeigehen. Und noch seltener, dass sie einander grüßen würden.

Aber vielleicht hat es etwas damit zu tun, aus der anonymen Masse herauszuragen und gesehen zu werden. Also ich denke darüber nach.

Was ganz anderes ist, dass ich, vielleicht über das Surfen, das ruhige Dahingleiten schätzen gelernt habe. Und damit war für mich auch klar, dass ich nicht durch Ortschaften durchheize, sondern mich schlicht und einfach an Regeln halte. Und andere nicht durch Lärm belästige.

Und das ist mein Wunsch überhaupt, wenn ich mit anderen zusammen bin, dass man sich genauso verhält wie auf dem Motorrad. Und nicht, kaum ist man abgestiegen und hat den Helm abgenommen, wieder die innere Stille mit Oberflächlichkeiten und Belanglosigkeiten zu füllen sucht.

Gruppe

Ein faszinierendes Erlebnis ist es, in Gruppen eine Tour zu fahren. Man gibt, sozusagen, sein Ego ab, sobald alle den Starter gedrückt haben und hintereinander losfahren. Aus 2, 3, 4, 5 oder mehr Motorradfahrern wird mit einem Mal etwas Ganzes, eine Gruppe.

Keiner schert mehr aus, keiner fällt mehr aus der Reihe. Es ist wirklich beeindruckend zu erleben, wie eine Gruppe zusammenwächst, wenn die einzelnen Mitglieder sich ‚grün‘ sind. Es entsteht etwas, was sich am besten mit dem Spruch der drei Musketiere beschreiben lässt: ‚Einer für alle, alle für einen.‘

Es herrscht Disziplin, ohne dass einer das eingefordert hätte, man nimmt auf die Befindlichkeiten der anderen Rücksicht, ist für einander da, keiner macht sein eigenes ‚Ding‘, doch gleichzeitig stellt sich eine ungeahnte Leichtigkeit und Fröhlichkeit ein.

Man fährt ‚im Dialog‘ miteinander, für Konflikte wie für Konventionen ist auf dem Motorrad kein Raum, alles greift ineinander, auch wenn jeder ganz alleine für sich auf seinem Motorrad unterwegs ist.