Bild



Bild

Selbsterkenntnis

Bild

Ehrlichkeit mir selbst gegenüber

Ich habe nirgendwo deutlicher und unmittlebarer als auf dem Motorrad erkannt, wie ich tatsächlich „gestrickt“ bin. Und es erinnert mich sofort daran, wenn ich gerade mal wieder gedanklich „wo anders“ unterwegs bin, nur nicht da, wo ich sein sollte. Denn das Motorrad hat den unschätzbaren Vorteil, dass ich mein eigenes Fehlverhalten nur sehr, sehr schlecht auf andere abschieben kann.

Nirgendwo sonst wird mir so direkt bewusst, worüber ich gerade nachdenke und was mich innerlich beschäftigt. Einfach deshalb, weil es unmittelbare Auswirkungen auf meinen Fahrstil hat. Das wiederum macht mir deutlich, was mich manchmal regelrecht gefangen hält und mich immer wieder von meinem eigentlichem Wollen abbringt.

Das Motorradfahren hilft mir zu erkennen, wer und wie ich wirklich bin und lässt die Wunschvorstellung, wie und wer ich gerne wäre, so richtig auflaufen. Es geht hier um wirkliche Selbsterkenntnis und nicht um Selbsterfahrung. Das ist das Wesentliche, zu erkennen, wie und wer ich bin. Doch das hört nicht mit Selbsterkenntnis auf, sondern es geht weit darüber hinaus, denn die Erkenntnis wird durch das weitere Fahren zur direkten Erfahrung:

Wenn ich erkenne, wie ich bin, wenn ich mir dessen absolut bewusst bin, dann hinterlässt dies automatisch Spuren in meiner Psyche. Ich werde mir meiner selbst bewusst. Natürlich nur, wenn ich das wirklich wissen will und meinen Fahrstil nicht an mein bisheriges Verhalten anpasse. (Also langsamer zu fahren.) Doch zu wissen, wie ich bin, das ist das Tor zur wirklichen Freiheit, nämlich der zu sein, der ich bin - und zwar ohne Maske!

Motorrad zu fahren, wirklich zu fahren, der Moment, wenn ich auf der Maschine sitze und nur noch das Fahren selbst ist, in diesem Moment habe ich auf den Ballast des Pathos verzichtet und mich wie ein Zen-Mönch auf das Hier und Jetzt konzentriert und auch eingelassen.

Die intellektuelle Auseinandersetzung mit gedanklichen Fragen um das Thema ‚Ich‘ bringt mir herzlich wenig, weil ich mich immer herausreden kann. Und da ich weiß, dass ich das perfekt beherrsche, lass ich es bleiben und nehme lieber wahr, wie ich aktuell Motorrad fahre. Denn dann weiß ich genau, wie ich gerade bin.