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Sein, der ich bin

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Selbstverpflichtung

Was ich auch tue, es geht dabei immer auch um mein eigenes Selbstverständnis. Egal, ob ich eine Firma leite, das Essen zubereite, die Wohnung aufräume oder mit meinen Enkeln spiele: Entscheidend ist immer mein eigenes Selbstverständnis. Das definiert, wie ich mich verhalte.

Verhalte ich mich mal so und mal ganz anders, dann muss ich mir darüber im Klaren sein, dass ich eben wankelmütig bin. Oder mich manchmal auch verstelle. Doch diesen Charakter habe ich nun einmal. Und der ist auch nicht austauschbar. Den kann ich nur durch eine Maske verbergen, leider auch vor mir selbst. Doch er ist sehr wohl änderbar. Was aber nicht so einfach ist, denn genau damit fängt die Schwierigkeit an. Oder sollte ich besser Herausforderung sagen?

Ich denke, es ist eine Herausforderung, die nur durch eine Selbstverpflichtung ‚angenommen‘ und deren Grund so idealerweise auch geändert werden kann. Mein eigenes Selbstverständnis kann ich nur dann ‚ändern’, wenn ich bereit bin, mich dazu zu verpflichten. Darum auch das martialisch anmutende Bild zu diesem Text, denn es bringt den Gedanken der Selbstverpflichtung für mein Verständnis perfekt zum Ausdruck.

Dabei genügt es nicht, mir etwas auszudenken und es genügt auch nicht, mir vorzunehmen, ‚anders‘ sein zu wollen. Ich weiß zwar nicht, wo und wie ich meinen Charakter abgespeichert habe, aber der sitzt überall und ist auch überall sichtbar, egal wo nd egal, was ich tue. In der Art, wie ich mich kleide, was ich lese, welche Musik ich höre, wie und was ich esse, was ich tue und wie ich mich verhalte - überall steckt mein Charakter drin.

Das heißt, dass eine ‚Änderung‘ (m)eines Charakters eine Generalsanierung meiner kompletten geistigen Struktur bedeutet. Es geht also grundlegend an die Substanz und nicht etwa nur die Inhalte. Was meist und auch gerne übersehen wird, denn dann kann man ja im Grunde bleiben, wie man ist. Doch genau das scheuen viele, anders zu werden, denn das heißt auch, dass sie in ihren Beziehungen anders sein werden.

Welche Auswirkungen das wiederum hat, kann ich jedoch nicht vorhersagen, das ist nicht berechenbar. Nur darf man das nicht mit unberechenbar verwechseln! Bin ich beispielsweise höflich, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, dass andere auch mir gegenüber höflich sein werden. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit definitiv größer, als wenn ich auf mein Auftreten in Punkto Höflichkeit überhaupt nicht achten würde.

Ich kann davon ausgehen, dass meine Beziehungen durch mein konkretes Verhalten unmittelbar gestaltet werden, doch das kann ich nicht planen, denn was genau passieren wird, was ich also im konkreten Fall tun werde, weiß ich zum einen nicht und zum anderen kann ich mir auch nie sicher sein, konkret so zu handeln, wie ich es mir vorher vorgenommen hatte. Ich kann allenfalls mit Wahrscheinlichkeiten rechnen, vorausgesetzt, ich habe die entsprechende Haltung, etwa Höflichkeit, wirklich verinnerlicht.

Ein Ziel kann ich planen, ob ich es auch erreichen werde, kann ich nicht wissen. Auch mein Verhalten kann ich planen, doch ob ich im entscheidenden Moment auch so bin, kann ich leider nicht wissen. Was ich aber kann, das ist mein Verhalten in jedem Moment zu üben und zu schulen. Je mehr mir ein spezifisches Verhalten in Fleisch und Blut übergegangen ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass ich mich entsprechend verhalten werde.

Entscheidend ist immer mein eigenes Selbstverständnis.