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Grenzen überwinden

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Es beginnt beim Einzelnen

Ödön von Horváth hat mit dem Satz „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu!“ in mir die Suche nach mir selbst ausgelöst. Bis ich irgendwann erkannte, dass ich nur das bin, was ich eben bin.

Doch um zu sein, was ich über das hinaus, was ich aktuell bin, sein könnte, dazu benötige ich ein grundlegendes und sehr grundsätzliches Verständnis der Wirklichkeit, ein Verständnis, das sich nicht in der Technik erschöpft, sondern auch mich als Menschen erfasst.

Es beginnt mit der Erkenntnis, dass das, was ich sehe und erlebe, „so“ überhaupt nicht existiert. Die Quantenmechanik beschreibt die Wirklichkeit, wie sie ganz grundlegend organisiert ist und sowohl die klassische Physik wie auch meine Gefühle und Empfindungen beschreiben die Wirklichkeit so, wie ich sie erleben kann.

Beide Wirklichkeiten sind tatsächlich Eins. Denn wie kommunizieren Pflanzen oder Tiere miteinander? Das lässt sich auf der Ebene der Wirklichkeit, so wie wir sie üblicherweise verstehen, nicht erklären. Und was ist eigentlich Instinkt? Warum können Vögel fliegen, sobald sie das Nest verlassen, es ihnen aber niemand vorher beigebracht hat?

Das alles wird jedoch erklärbar, wenn ich die Wirklichkeit der Quantenmechanik mit der normalen Welt, so wie ich sie erlebe, in Verbindung bringe. Beide Wirklichkeiten sind gleichermaßen wirklich, sie widersprechen sich nur scheinbar. Problematisch wird es erst dann, wenn ich eine davon negiere. Denn dadurch beschneide ich mich selbst, kann ich nicht mehr leben, was ich leben könnte.

In voller Totalität der sein, der ich im Innersten bin, das verlangt von mir, mich aus konventionellem Gehabe wie Getue und jeglicher Oberflächlichkeit oder Banalität zu verabschieden. Doch das setzt innere Stabilität voraus. Nur dann kann ich in jedem Augenblick achtsam und dessen gewahr sein, was gerade in mir vorgeht. So, wie sich ein Orchestermusiker ganz selbstverständlich auf die anderen Musiker ein- und mit ihnen abstimmen muss, müssen wir unser Denken auf die Wirklichkeit ein- und damit abstimmen. Doch dazu muss ich wissen, was wirklich ist.

Erich Fromm hat dies sehr prägnant formuliert: Was wir aber am meisten verdrängen, das ist die Wahrheit, weil die für unsere ganze Lebensweise das Gefährlichste ist. Die Wahrheit nicht zu verdrängen, das ist die Voraussetzung, um zu sein, was ich bin.