Gut oder Böse?

So, wie es die Banalität des Bösen gibt, gibt es auch die Banalität des Guten. Ich kann lernen, auch in schwierigen Situationen ohne jegliches Getue ganz selbstverständlich das Stimmige und Angemessene zu tun.

Das habe ich begriffen, als ich mich intensiv mit der Banalität des Bösen und der Frage beschäftigte, wie diese ganz normalen (!!) Menschen gedacht haben müssen, dass sie freiwillig auf die Seite des Bösen gingen.

Was also lässt mich den Weg der Banalität des Guten einzuschlagen? Ich bezweifle, ob die Identifikation mit Menschen wie Mutter Theresa beispielsweise oder Mahatma Gandhi genügt. Ich glaube nicht, dass Ideale wie Nächstenliebe oder Gewaltfreiheit das war, was sie ausgemacht hat. Das war nicht der Grund, nur das Sichtbare.

Das Äußere allein macht uns nicht zu einem anderen Menschen Sowenig wie das Poster von Che Guevara in meiner Studentenbude oder die kleine Mao-Bibel mich zu einem entsprechenden Menschen machen konnten. Auch die vielen Buddha-Statuen in unserer Wohnung ließen mich nicht wirklich anders denken. Sie waren nur Ausdruck meiner Sehnsucht, ein Ideal zu realisieren.

Leider bestätigt die Tatsache, dass Vernunft Unvernunft nicht verhindern kann, dass wir nichts unter Kontrolle haben. Vor allem uns selbst nicht. Was ich tue, geschieht aus mir selbst heraus, also aus der Summe meiner nichtbewussten Ansichten und Überzeugungen. Aber nie willentlich bewusst.

Ich kann viel wollen, doch denken und handeln werde ich immer nur das, was mir entspricht. Und das ist eben das Implizite, aber nicht das nur explizit Gedachte oder Gewusste. Daher werde ich immer nur das denken und tun, was mich innerlich ausmacht. Überlegungen haben da keinen Raum.

Das ist nicht, was ich denke, sondern wie ich denke, die Form meines Denkens. Mache ich mir das bewusst, dann kann ich es mit der Zeit ändern, denn die Inhalte meines Denkens folgen der Form meines Denkens, der Frames, mit denen oder durch die ich denke.

Dabei genügt es nicht, mir meiner Frames bewusst zu sein, ich muss mir auch bewusst sein, ob diese überhaupt stimmig sind. Das ist erst einmal keine philosophische, sondern eine tatsächliche Frage. Es geht um die Übereinstimmung der Wirklichkeit mit den Gesetzmäßigkeiten, die wir von der Natur wissen.