Glaube und Wissen

Glauben oder wissen – ein gewaltiger Unterscheid. Alles, was ich nicht belegen kann, was ich also nicht weiß, glaube ich. Manches glaube (!) ich zu wissen, dass ich etwas wüsste, doch weiß (!!) ich, dass ich das nur von einem anderen weiß, dann glaube ich das – warum auch immer.

Diskutieren Sie einmal mit jemandem, der an Gott glaubt. Sie werden keine Chance haben, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Wenn Sie hingegen mit jemandem diskutieren, der nicht an Gott glaubt, dann werden Sie den auch nicht vom Gegenteil überzeugen. Keine Chance.

Was wir glauben, darauf beharren wir, sind felsenfest sicher, dass es so wäre. Warum ist das nur so? Vielleicht liegt es daran, dass mit dem In-Frage-Stellen eines Glaubens unser inneres, nicht bewusstes Weltbild gleichermaßen in Frage gestellt wird. Und das können wir absolut nicht leiden.

Unsere Glaubensüberzeugungen sind eine Art Schutzschild gegen die tatsächliche oder scheinbare Unkalkulierbarkeit des Universums, in dem wir leben. Das Dumme ist nur, dass die selten von Dauer sind. Man merkt das etwa an Religionen, die halten meist nur einige Zeit, sie nutzen sie regelrecht ab – weil die Menschen mit der Zeit nicht mehr an sie glauben.

Ganz anders ist es, wenn wir etwas wirklich wissen und mit Fakten belegen können. Darüber kann man reden und die Fakten gemeinsam untersuchen. Der Unterschied zum Glauben besteht nur vordergründig in den Fakten, was man meinen könnte, sondern darin, dass man darüber redet.

Ich darf ja nicht vergessen, das auch Fakten nur eine begrenzte Lebenszeit haben, nämlich nur, bis sie widerlegt werden. Ganz schwierig wird es, wenn ein Glaube zwar auf Fakten beruht, diese aber nicht mehr zu überprüfen sind. Dann meinen wir schnell, dass es so oder anders war – nur wissen wir es wirklich?

Da hilft auch die konkrete Erinnerung nicht weiter. Wären Erinnerungen so stabil wie Fakten, könnten Psychologen kaum Reframing-Prozesse mit Erfolg bei ihren Klienten anwenden.