Gewichtung

Was bewirkt, was ich mache oder denke? Viele meinen ja, dass sie im Verhältnis zu all den anderen nichts ausrichten könnten oder würden und sie daher ihre Ansichten und Meinungen einfach so äußern können. Doch das ist falsch gedacht.

Gedanken haben ja keine Substanz, doch bedeutet das, dass sie auch ohne Energie sind? Sicher nicht, bedenkt man, welche Auswirkungen manche Gedanken haben können! Jedes Ereignis, das wir erreichen (auch, was unvollendet bleibt oder worin wir gescheitert sind), beginnt mit einem Gedanken, wobei das nicht unbedingt bedeutet, dass einem ein entsprechender Gedanke durch den Kopf gehen würde. Wer schon einmal einen Flow-Zustand bewusst reflektiert hat, der weiß, dass man zwar offensichtlich denkt, was einem aber nicht bewusst ist.

Auch der Flug auf den Mond begann mit einer Idee. Nicht bei Wernher von Braun, sondern bei Einsstein. Also spätestens bei ihm, denn ohne seine Erkenntnisse über die Relativität wäre niemand auf dem Mond gelandet. Es sei denn, jemand hätte die gleiche Idee gehabt. Es waren schon eine Menge Gedanken, die sich letztlich zu dem Flug auf den Mond verdichtet haben. Meist sehen wir nur die wahrnehmbare Seite der Dinge und übersehen leicht die entscheidende Seite – nämlich die geistig-gedankliche.

Was in meinem Kopf passiert, das ist erst einmal wirklich und in der Welt. Zwar nicht als Materie, jedoch als Energie. Dass nur ich es wahrnehme, steht dem nicht entgegen. Weil es niemand sonst mitbekommt, ist es deswegen noch lange nicht unwirklich. Das ist nur eine Frage der Bewusstheit. Doch wir glauben gerne, dass nur das Messbare wirklich und alles andere nur Hokuspokus wäre. Warum machen wir das? Ganz einfach, denn dann scheint die Welt viel einfacher zu sein als sie in Wirklichkeit tatsächlich ist.

Komplexität lässt sich nun einmal nicht wegargumentieren, so schwierig das auch zu vermitteln ist. Letztlich kann man Komplexität überhaupt nicht „vermitteln“, man kann sie nur selbst erfahren, ein anderer kann sie nur umschreiben. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen komplizierten und komplexen Sachverhalten. Komplizierte kann man analytisch diskutieren, komplexe aber nicht. Deswegen sprechen wir darüber ungern, denn man kann nur in Metaphern darüber reden.

So wie auch über die Frage, was das, was ich scheinbar nur denke, in und für die Welt bedeutet. Nicht mehr und nicht weniger als ein Sandkorn für den Strand. Oder ein Atom einer Stahlkugel für die ganze Stahlkugel. Nicht hinwegdenkbar. So wie es ohne das einzelne Sandkorn keinen Strand gibt, gibt es auch keine Menschheit ohne mich. Schwierige Vorstellung, aber so ist es. Nicht nur was ich bewusst denke, sondern alles was ich denke hat eine Bedeutung, nicht für mein Leben, sondern das Leben an sich.

Und darauf muss ich mich einlassen, aber nicht darüber diskutieren wollen.