Zum Inhalt springen →

Gemeinschaft

Ein schwieriges Thema in unseren Zeiten.

Oder vielleicht auch schon viel länger? Doch darauf kommt es nicht an, sondern alleine darauf, dass wir heute sehr, sehr selten in einer wirklichen Gemeinschaft leben. Das Dumme ist nur, dass vielen oder sogar den meisten das überhaupt nicht bewusst ist.

Gerade in der Weihnachtszeit wird die Sehnsucht nach Friedfertigkeit, nach Ruhe und eben nach Gemeinschaft überdeutlich. Doch dieses ‚Ventil’ funktioniert nicht wirklich, es macht einem stattdessen überdeutlich, wo die Probleme liegen. Nur die werden selten wirklich angepackt.

Statt uns zu fragen, wie denn Gemeinschaft gelebt werden kann, streiten wir lieber über die Inhalte. Auch hier begegnet uns wieder das Thema Form versus Inhalt. Wir scheinen nicht zu merken, dass nicht die Inhalte das ‚Problem‘ sind, sondern eben nur Symptome. Die Ursache aber ist die Form des Miteinander.

Wirkliche Gemeinschaft ist nichts anderes als ein gelebter Dialog. Durch den Dialog sind die Regeln der Gemeinschaft festgelegt Man braucht nur alles auszuklammern, was kein Dialog ist! Was dann übrig bleibt ist ein Dialog. Er ist nämlich kein(e)…

* Schiedsgerichtsverfahren
* Verhandlung
* Mediation
* Arrangement
* Debattieren
* Diskutieren
* Zwingendes Finden einer Lösung
* Vermeiden von Problemen
* Leugnen von Problemen
* So tun, als wäre alles in Ordnung
* Beweisen des eigenen Standpunkts
* Beweisen, dass die Anderen falsch liegen
* Ein Argument gewinnen
* Unbedingtes Erreichen einer Einigung

‚Dialog‘ kommt von dem griechischen Wort dialogos. Logos bedeutet ‚das Wort‘, dia ‚durch‘. Dialog deutet also auf einen Strom von Bedeutung hin, der unter, durch und zwischen uns fließt und aus dem ein neues Verständnis entstehen kann. Als solcher ist er ein fortlaufender Prozess, jedoch ohne ein zwingend zu erreichendes Endergebnis. Allein mit dem Dialog als kommunikatives ‚Werkzeug’, kann ich mich in einem Tetralemma bewegen.

Während meines beruflichen Lebens war ich als Jurist permanent mit Konfliktlösungen beschäftigt. Doch weshalb? Weil ich die einfache Lösung nicht sah oder nicht sehen wollte: Miteinander reden, aber eben dialogisch. Was natürlich voraussetzt, dass auch der andere dazu bereit ist. Es ist bekannt, dass der ernsthafte Dialog die Schutzwälle der Konvention zerstört.

Das ist der Preis, den man zu investieren bereit sein muss. Man muss bereit sein, die Konvention aufzugeben.

Veröffentlicht in Blog