Etwas zu wissen und nicht darüber nachdenken?

Wie um Himmelswillen soll das denn gehen? Was bedeutet es, mich im Feld des Wissens zu bewegen und gleichzeitig davon frei zu sein? Bei solchen Gedanken bekam ich früher immer leicht einen Knoten in mein neuronales Netzwerk, gennant Gehirn. Aber meine Erfahrungen auf dem Motorrad bestätigen mich darin, dass das definitiv kein Mumpitz ist. Nein, ist es nicht, vielmehr öffnet es mir die Tür zu mir selbst, obwohl das nicht so richtig stimmig ist, denn eigentlich öffnet es mir die Tür, um aus mir selbst herauszukommen.

Auf dem Motorrad habe ich wirklich begriffen und vor allem erlebt, dass ich nicht da bin, wo ich sein will, wenn ich noch anwesend bin. Also in meinem Denken. Ist nicht so ganz einfach, das sprachlich rüberzubringen. Solange ich noch etwas will, etwas bewerte, beurteile oder kommentiere, solange bin ich nicht anwesend, sondern die Illusion von mir, von der ich gedacht habe, dass ich das wäre. Schwanger bin ich damit ja schon lange gegangen, aber so richtig erlebt habe ich es auf dem Moped. Und ist es Synchronizität, dass gerade „Unchain my Heart“ mit Joe Cocker aus den Lautsprechern kommt? Das sind solche Momente in meinem Leben, bei denen ich das Grinsen nur schwer wieder aus dem Gesicht bekomme. Irre, wirklich irre. Ja, ich bin es selbst, die mich fesselt. Und wenn ich dann frage, wo ich denn wäre, ist keiner zuhause. Zeit, dass das aufhört.

Solange ich mich für mich interessiere, was ich kann und was ich mache oder auch tun sollte, scheint es nur so zu sein, dass ich – was auch immer – tue, ich tue es nicht wirklich, es ist nur eine schlechte Kopie des mir Möglichen. Und wenn ich koche können andere schmecken, ob da ein „Ich“ in der Küche stand oder nicht. So einfach ist das. Und so verdammt schwer, mich wieder loszuwerden. Obwohl, eigentlich müsste ich das einfach nur lassen. Einfach lassen. Aufhören, mich für wichtig zu halten. Vielleicht sollte ich damit aufhören, etwas Spezifisches praktizieren zu wollen und einfach nur machen, was ich mache.

Das Interessante dabei ist, dass ich zwar Motorrad fahren üben kann, nicht aber das „ich“ dabei zu vergessen. Das geschieht oder geschieht eben nicht. Ich kann es zwar vorher als Ziel benennen, aber ich kann es weder definieren noch kann ich es machen oder üben. Wirklich eine faszinierende Erfahrung, in der sich Raum und Zeit „irgendwie“ anders gestalten, da die Grenzen zwischen „ich“, Raum und Zeit sich auflösen, ohne dass daraus so eine Art Pampe wird. Da gibt es dann auch kein abrufbares Wissen und keine erfahrbare Erfahrung mehr, sondern es geschieht – einfach so. Ein Gefühl vollkommener Freiheit. Wirklich ein Traum. Aber es ist noch viel mehr, denn erst da kann ich Schönheit, Freude, Mitgefühl et cetera wirklich empfinden. Es ist das Gefühl wirklich da zu sein.

Ich muss als unterscheiden zwischen dem Tun, dessen Ziel außerhalb dieses Tuns liegt und einem Tun, dessen Ziel in ihm selbst enthalten ist. Ich kann also kochen des Kochens wegen oder ich koche, um darüberhinaus zu gelangen. Wenn Sie sich an die Situation in Galtür erinnern, als ich an der Situation gescheitert war und mir dieses Scheitern auch noch eingestand, als ich mir demütig eingestand (aber ohne an mir zu zweifeln!), dass ich nicht wusste, wie Motorradfahren eigentlich geht, gelang es mir dann. Ich musste erst mal von meiner Ich-Leiter runter um auf der Motorrad-Leiter voranzukommen. Und Wissen bekam nochmal einen anderen Stellenwert. Man darf eben nicht so tun, als wüsste man wie es geht, wenn man es tatsächlich aber nicht weiß. Gut, das Ego leidet ein wenig drunter, aber da muss es durch.

Das ist wirkliche Freiheit, einfach im Fluss mit dem zu sein, was ist. Wissen ist dabei notwendig,  und unverzichtbar, aber es ist nicht die Königsdisziplin, sondern eher so etwas wie der Wasserträger. Und die sich mir aufdrängende Frage ist mal wieder, warum ich das nicht immer ganz selbstverständlich tue?