Strategiewechsel

„Eigentlich“ ist es ganz normal, einmal die Strategie zu wechseln. Als ich, damals noch ein kleines Kind, vom Krabbeln zum Laufen kam, vollzog ich einen Strategiewechsel. Als ich dann in die Schule kam, wieder einen. Kindergarten lernte ich nicht kennen, manche meinen ja, das merke man. Später dann im Internat wieder einer. Der eindringlichste war, als ich meinen Job an die Wand fuhr.

Nur, warum fallen mir solche Strategiewechsel oft so schwer? Ganz einfach, wenn ich keinen Nutzen darin sehe und lieber krampfhaft zurückrudere, in der Hoffnung, dass es doch noch mal mit dem Alten klappen könnte. All diese Strategiewechsel vollzog ich gerne, denn ich versprach mir etwas davon. Bis auf den letzten, da wollte ich nicht wahrhaben, dass ich mit meiner bisherigen Strategie an die Wand gefahren war. Es fiel mir schwer, den Nutzen zu sehen. Heute sehe ich ihn, leider sehr spät. Aber manchmal dauert es eben, bis der Groschen fällt.

Zum Ausgleich stand dann noch ein weiterer an, als ich mich entschloss, Motorrad zu fahren. Auch das war ein Strategiewechsel, nicht nur in der Bewegung, sondern auch im Denken. Wie übrigens alle anderen auch, denn jeder Strategiewechsel hat eine Veränderung der Denkstrukturen zur Folge. Doch was ist, wenn man insgesamt eine andere Sicht auf die Welt haben müsste? Da haben die Bautrupps im neuronalen Netzwerk ordentlich zu tun, da sind ein paar Doppelschichten angesagt.

Meine Frage ist, wie kann ich jemandem den Nutzen deutlich machen, den er hätte, wenn sie oder er nicht mehr mechanistisch, sondern komplex denken würde? Die Crux ist ja, dass sich unsere Welt problemlos mit Newtons Denken der klassischen Physik beschreiben lässt. Das Dumme ist nur, dass wir uns selbst und auch andere meist genau so beschreiben. Wenn wir zwischen Geist und Körper fein säuberlich differenzieren, macht es das leichter damit umzugehen. Nur besser wird es dadurch nicht, das Gegenteil ist der Fall. Viele verwechseln immer noch komplex mit kompliziert. Vielleicht der Grund, warum die meisten Menschen etwa mit dem Thema Psychosomatik noch nicht so richtig warm geworden sind.

Was aber zwingend notwendig wäre, wollen wir uns selbst verstehen. Was also wäre der Nutzen? Vielleicht sich endlich das Scheitern einzugestehen? Ganz im Ernst! Zu scheitern heißt ja nichts anderes, als (endlich) aus einer Illusion zu erwachen! Obwohl, manchmal ist es ein gewaltiger Schritt sich einzugestehen, dass man über Jahre einer Illusion gefolgt ist, vor allem dann, wenn man damit scheinbar auch noch Erfolg hat. Ist gekränkte Eitelkeit oder etwas in die Richtung der Grund dafür, dass so viele beharrlich an ihren Denkmustern festhalten, auch wenn die Wissenschaftler schon lange den Kopf schütteln und meinen, es sei ganz anders?

Die „Lösung“ findet sich in dem Verhalten der jungen Generation der Quantenphysiker. Die, die man zur ersten Generation zählen kann, von Einstein über Heisenberg bis Plank, Bohr, Böhm und wie sie alle heißen, die haben sich mit den fundamentalen Fragen auseinander gesetzt, die diese Erkenntnisse  aufwarfen. Das tun sie noch immer, doch heute interessiert es kaum einen. Man wendet die Technik an, aber man stellt sich diese Fragen nicht mehr. Was also steckt in diesen Erkenntnissen drin, das einfach nicht gesehen werden will?

Einer derjenigen, der das Problem wohl sehr gut erkannt hat, so Anton Zeilinger, war Einstein, der den Gedanken der Quantenmechanik einfach nicht mehr folgen wollte und sie sein Leben lang zu widerlegen suchte – was ihm aber nicht gelang. War es die Tatsache, dass er erkannte, dass die Zeit nicht linear und statisch verläuft und dass mit der Raum-Zeit der Raum, in dem wir leben eben alles ist, nur nicht so, wie wir ihn wahrnehmen? Man kann diesen Gedanken auch noch weiter spinnen. Steht für Quantenphysiker am Ende ihrer Erkenntnisse (eigentlich) die Tatsache, dass sie einfach nicht wissen, was Sache ist?

Schließlich gibt es die Quantentheorie auf der einen und die Relativitätstheorie auf der anderen Seite, die jede für sich für ihren Geltungsbereich perfekt stimmen – aber nicht miteinander in Übereinstimmung zu bringen sind. Aber dieses Nicht-Wissen kennen auch Zen-Menschen, die vor dem letzen Schritt zurückscheuen wie ein verängstigtes Pferd, die ganz offensichtlich scheuen, sich auf die Leere einzulassen.

Vielleicht ist es in beiden Fällen so, dass man weiß, dass man existiert, aber nicht warum. Und das scheinen wir Menschen schwer auszuhalten. Das Üble ist, dass uns das nicht bewusst ist, sonst könnten wir ja leichter damit umgehen. Das nächste und leider sehr, sehr oft übersehene „Problem“ ist, habe ich einmal erkannt, was zu tun wäre, ich das trotzdem nicht so einfach machen werde. Wer schon einmal zu dick war (wie ich) oder „eigentlich“ nicht mehr rauchen wollte, kennt das: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.

Obwohl, so ganz stimmt das nicht, denn hier ist es vorrangig der Geist, der nicht mitspielt und einen auf stur macht. Was auch immer ich tue, tue ich ja nicht bewusst, auch wenn ich mir das gerne einbilde, sondern ich tue es, weil es in meinem neuronalen Netzwerk namens Gehirn gespeichert ist. Und das ändere ich nicht „einfach so“. Ob es sich um ein erwünschtes Verhalten oder eine Sucht handelt, es ist immer das selbe Prinzip: Was ich über einen längeren Zeitraum tue, hinterlässt eine spezifische Struktur in meinem Gehirn, und die prägt dann mein Verhalten. Und diese gilt es zu ändern, will ich mich anders verhalten. Dazu brauche ich nur eines: Konsequente Übung und Praxis. Doch ohne das wird es ein Satz mit X, nämlich nix. Ein Strategiewechsel, der auch funktioniert, beinhaltet demnach zwingend zwei Aspekte:

Einmal die Einsicht und die Entscheidung und zum anderen die konsequente Praxis.