Meditation

Freizeitbeschäftigung oder Alltag? Wenn ich Motorrad fahren gehe, sage ich immer zu meiner Frau, dass ich meditieren ginge. Und das meine ich auch so. Die Frage ist vielleicht, was Meditation überhaupt ist. Es gibt ja viele Methoden und Techniken (wobei es mich schon bei der Vorstellung gruselt, Meditation als Technik anzusehen), für mich ist Meditation eine Haltung.

Entscheidend ist für mich, dass ich in meiner Vorstellung nicht wirklich  meditieren kann, wenn ich mich gleichzeitig unreflektiert weiterhin in der Konvention wie der Kondition bewege. Zu meditieren setzt für mich voraus, frei sein zu wollen – und wie soll das in der Konvention gehen? Ein anderer kann mir die Wortbedeutung von Meditation erklären, aber herausfinden, wie ich meditieren kann, das kann ich nur selbst. Wie Motorradfahren. Beides tue ich erst dann wirklich, wenn alles Nachdenken von mir abgefallen ist. Und das dauert. Leider.

Meditation ist die vollkommene Offenheit für das, was ansteht. Und was gibt es besseres, als das Nach- und Vorausdenken abzuschalten, als etwas zu tun was mich  herausfordert? Natürlich denkt es auch während des Fahrens in mir, aber eben nicht ich. Ich halte da endlich mal meine Klappe. Es geht also erst einmal darum mir darüber klar zu werden, was Meditation ist und nicht, wie ich es anstelle. Ein lieber Freund hat mir klargemacht, dass Meditation von seiner Wortbedeutung her nichts mit „Mitte“ zu tun hat, sondern mit „messen“, mit etwas beschäftigt zu sein.

Wenn ich messe, brauche ich ja erst einmal einen Maßstab, um messen zu können. Ich vergleiche also. So, wie ich einen Schrank ausmesse. Aber das ist ein anderes Messen, es ist ein mechanisches Messen. Und das sollte ich tunlichst nicht auf Lebendiges übertragen. Sondern etwas tun, das mich zum Schweigen bringt. Motorradfahren eben. Oder Kochen, geht auch. Auf jeden Fall nicht nachdenken. Das geht übrigens auch, wenn ich mit Anderen spreche, doch nur, wenn ich mich in einem Dialog mit ihnen befinde. Was aber in der Konvention nicht geht. Konvention ist wie den Fernseher anstellen und sich dabei den Bildern hinzugeben, nur dass ich die selber mache. Und ich merke es dann nicht einmal. Teuflisch.

Was auch immer dieser Kosmos ist, es ist ja auch ich. Und wenn ich selbst nicht mehr bewusst denke, sondern wenn nur noch es denkt, dann ist das der Kosmos in mir. Und die Frage drängt sich natürlich sofort auf, warum ich das nicht immer mache und die Klappe halte, was ja nicht bedeutet, nichts mehr zu sagen zu haben. Gestern waren meine Frau und ich Teppiche kaufen, da haben wir das hinbekommen. Und wir waren sehr schnell wieder aus dem Laden draußen mit den Teppichen auf dem Arm. Und weil es so gut lief, haben wir gleich noch ein Regal gekauft. So schnell waren wir uns noch nie einig. Keine Diskussionen, kein Abwägen. Nichts davon. So in der Rückschau sage ich, wir hatten meditierend eingekauft.

Wir hatten in diesem Moment zu unserer eigene Ehepaar-Meditation gefunden. Kein Nachdenken, sondern einfach Machen. Wir hatten unseren eigenen Guru gefunden, denn das Wort bedeutet „der, der hilft, Unkenntnis zu beseitigen“. Wir fanden ihn nicht etwa in uns, er war jenseits von Raum und Zeit. Er, sie oder es war einfach da. Punkt. Der einzige Guru, den ich anerkennen kann ist der, der mich tun lässt, was richtig ist. Das bin aber nicht „ich“, auch wenn andere das so sehen, dass ich etwas sagen würde. So wie bei dem Teppich „den nehmen wir“. Schwierig zu unterscheiden, ob man selbst spricht oder der Guru, der aber niemals ein „innerer“ ist. Das ist Blödsinn.

Zurück zur Meditation. Wie sagt doch Krishnamurt? Bewusst ausgeübte Meditation ist gerade keine Meditation! Also kann ich nur meditieren, wenn ich nicht anwesend bin, dabei aber weder schlafe noch träume, sondern hellwach bin. Das erklären Sie mal jemandem, ohne dass der sie für bekloppt hält! Schwierig, denn ich weigere mich standhaft, nicht „ich“ zu sagen, wenn ich etwas tue. Klingt ja auch sehr eigenwillig, wenn ich sagen würde „der Peter geht jetzt Motorradfahren oder kocht uns was“. Die schrägen Blicke erspar ich mir dann doch lieber.

Meditation zu verstehen heißt, das Denken an sich zu verstehen. Neurologen und andere Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass wir nur zu einem geringen Prozentsatz unserer selbst überhaupt bewusst sind. Die Frage ist nur, warum so viele immer meinen, sie könnten bewusst handeln. Tun wir nicht. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass wir dann auch immer das Stimmige und Angemessene tun würden, wenn wir nicht-bewusst handeln. Das wiederum ist eine Frage der Haltung. Vielleicht kann man das stimmige Denken dadurch beschreiben, dass dabei kein „ich“ mehr beteiligt ist, wenn also die Motivation des Tuns keine Ich-Intention mehr beinhaltet. Was mich wieder zu dem Nutzen von Grenzerfahrungen bringt.