Gebundenheit

Solange ich noch an die Aktivität des Denkens gebunden bin, solange ich noch konditioniert bin, werde ich meine Probleme nicht lösen können. Früher habe ich alles, was mir unterkam differenziert, ich differenzierte auch zwischen Bewusstsein und Unbewusstem. Doch ist es das wirklich?

So fahre ich Motorrad, ohne (idealerweise) einen einzigen Gedanken an mein Fahren zu verschwenden. Doch fahre ich deswegen etwa nicht bewusst? Keineswegs! Sondern genau das Gegenteil ist der Fall! Willentlich bedeutet ja nicht bewusst! Je mehr ich nachdenke, desto schlechter fahre ich. Ich glaube machmal, die Idee des Bewusstseins wurde geboren, damit sich der Mensch der Natur überlegen fühlen kann. Was dummerweise dazu führt, dass er dabei ist, sie zu zerstören – und sich damit auch, denn er ist Natur und nicht nur abhängig davon.

Will ich das Angemessene und in diesem Sinne Richtige tun, ob auf dem Motorrad oder sonst – dann ist alles gut. Doch dazu muss ich meine Gebundenheit wirklich aufgeben, alle meine Konditionierungen lassen – auch die, die ich nichts ahnend von meinen Eltern und deren Eltern übernommen habe. Es gab für mich keine Möglichkeit, die Konditionierungen meiner Vorfahren nicht zu übernehmen, das ist in der Natur nämlich nicht vorgesehen. Jeder muss sich von seinen Konditionierungen lösen, damit er anderen ein wirkliches Vorbild sein kann.

Es ist überhaupt nicht notwendig zu wissen, mit welchem Mechanismus ich mich zum Opfer machen konnte – es genügt vollkommen, es zu wissen, zu merken, wann ich mich wie ein Opfer verhalte – und es einfach zu lassen. Es genügt schon, an einen Erlöser zu glauben, um zum Opfer zu werden. Diese Mechanismen muss man erkennen. Wozu macht mich das, wovon ich überzeugt bin? Das ist die wichtige Frage, die ich mir immer wieder stellen muss. Konditionierungen sind nichts anderes, als die Wiederholung vergangener Erfahrungen. Wenn es nicht einmal die eigene ist, sondern etwas Übernommenes, ist es noch schwieriger sie zu erkennen, weil einem der Zugang zu dieser Erfahrung fehlt. Man kann jedoch die Wirkungen erkennen, denn die macht man selbst. Damit hat man wieder die Möglichkeit zur Änderung.

Wenn man einmal die Qualität eines unkonditionierten Geistes selbst erfahren hat, weiß man, dass einem wesentlich mehr möglich ist, als man davor zu glauben bereit war. Also trachte ich danach, meine Konditionierungen zu erkennen, um mich meinen Möglichkeiten zuliebe daraus zu lösen, egal, ob auf dem Motorrad oder im Gespräch. Doch um wirklich frei von Konditionierungen zu sein, muss ich mich, meine Gedanken und meine Absichten, immer wieder genau betrachten, wieder und wieder. Dazu muss ich lernen, Wissen von Wissen zu unterscheiden. Natürlich muss ich wissen, wo ich wohne und wie ich von A nach B komme. Doch psychisch muss ich frei sein, vollkommen ungebunden.

Was mir dabei hilft, ist mir immer bewusster zu werden, dass weder Intelligenz noch Bewusstsein und auch der ursprüngliche Geist nicht in mir sind, sie sind nicht „meins“, ich nutze sie nur. Und dafür muss ich den Transformator, mein Gehirn, schön sauber und funktionsfähig halten.