Beziehung, wohin man schaut

„Meine“ Beziehungen sagen mehr über mich aus, als mir vielleicht lieb ist. Und vor allem auch dann, wenn ich alleine bin und mich unbeobachtet fühle, ist das ein echter Härtetest, denn da puffert mich keine Konvention mehr ab. Nirgendwo sonst bin ich so unmittelbar mit mir selbst konfrontiert wie dann, wenn ich alleine bin.

Wenn mich nichts ablenkt, kann ich sehr klar meine Bilder über mich selbst wie auch über andere wahrnehmen. Das heißt natürlich nicht in sich versunken zu sein, sondern sehr klar und mir meiner Gedanken bewusst, aber ohne sie beeinflussen zu wollen. Es war ein Zitat von Hannah Arendt, dass mir die Bedeutung von Bildern klarmachte, ein Gedanke, in dem sie zum Ausdruck brachte, dass in der Zeit von 33 bis 45 in Deutschland keine Juden umgebracht wurden, sondern Menschen.

Ich kann mich unterwegs darüber aufregen, wenn ein anderer Fahrer sich unaufmerksam verhält, oder ich kann gleichmütig darauf reagieren, was heißt, dass ich dann einfach das Notwendige tue, aber ohne es zu kommentieren. Die Ansichten, die ich über andere habe, spiegeln doch nur mein eigenes Bedürfnis mich abzugrenzen und letztlich gut vor mir selbst dazustehen. Wenn ich einen anderen auch nur gedanklich runtermache, komme ich mir selbst ein bisschen größer und wichtiger vor. Selbstbilder sind bezeichnend, sehe ich mich als „Ich“ oder als einen Aspekt des Kosmos, wie alle Anderen auch?

Und wo ich differenziere, trenne ich die Dinge von einander, zerstöre den Zusammenhang. Damit ist das Potenzial des Konflikts da. Kann ich die Tatsache, dass mich jemand nicht überholen lassen wollte oder für mein Empfinden zu eng auffuhr, gar nicht erst aufnehmen um sie später eben nicht zu erinnern? Kann ich also den inneren Recorder erst gar nicht mitlaufen lassen? Denn wenn ich das tue, wie soll da mein Geist still sein? Was er ja tun müsste, soll er so funktionieren, wie er eben funktionieren soll. Erinnern Sie sich an den Text weiter vorne „Einsam und alleine“? Da war der Recorder aus. Und ich konnte danach keine Situation rekapitulieren oder erinnern, weil ich in der Situation zwar präsent war, sie aber nicht beobachtete, sondern unmittelbar wahrnahm.

Aber genau das ist, was mich von anderen trennt, meine inneren Bilder, genauso wie die über mich selbst, wie ich sein will oder auch lieber nicht. Spontanität und Ursprünglichkeit ist nur ohne solche Bilder zu bekommen. Da fällt mir dann gleich der Satz von Krishnamurti ein „Die Freiheit von Vorstellungen ist wahre Freiheit.“ Und genau so beginne ich es zu erleben.

Auf dem Motorrad und überhaupt.