Worum es mir geht

Einem wahrhaftig lebenden Menschen genügt es nicht, »gut« zu sein. Sie oder er will dieses besondere Potenzial realisieren, dass man sich nicht wie Wissen oder eine Fertigkeit aneignen kann. Es ist die spezifische Präsenz, die Ausdruck einer bewussten Lebenshaltung ist und sich in der Persönlichkeit zeigt.

Der Daoist

Ein Daoist folgt dem ewigen Zuruf der Weisen aller Kulturen »Erkenne dich selbst!«. Dies ist sein wesentliches Ziel, sich seines eigenen Wesens, seiner eigenen Natur bewusst zu werden und zu sein.

Ein Daoist folgt dem ewigen Zuruf der Weisen aller Kulturen »Erkenne dich selbst!«. Dies ist sein wesentliches Ziel, sich seines eigenen Wesens, seiner eigenen Natur bewusst zu werden und zu sein.

Er trachtet danach, im Einklang mit dem Dao zu sein, wissend, dass Erfolg nicht das Ziel, sondern die Folge seines Handelns ist.

Er will weder besonders noch herausragend sein, sondern er ist darauf bedacht, zu tun, was zu tun ist.

Er weiß um seine Interdependenz mit allem, er weiß um Ursache und Wirkung und darum, dass sich alles gegenseitig bedingt. Darum sucht er im Einklang mit Allem zu sein und zu handeln.

Es sucht nach Vervollkommnung seiner selbst in allem, was er tut, denn zwischen sich und seinen Taten sieht er keinen Unterschied.

Was er zu tun hat, ist ihm eine Verpflichtung, dabei ist er stets bedacht, wesentlich und wahrhaftig zu handeln.

Er sucht stets gelassen zu sein, respektvoll und voller Achtung gegenüber jeglicher Existenz.

Dao der Bewusstheit

Der Weg zum Selbst ist selbstlos, weil es dabei nicht um Eigenes geht, sondern darum, sich (wieder) des Größeren bewusst zu sein, das das eigene Selbst ausmacht – und sich dem anheim zu geben.

Das ist etwas anderes als Demut (die Haltung gegenüber dem Größeren), mehr eine Weihe (das in Dienst stellen und aktiv sein), es ist ein Sich-Selbst-Weihen. Daoismus und Zen sind keine theoretische Lehre, sondern ein Weg der Praxis.

Es ist die Bewusstheit im Denken und Handeln, die unser Selbst authentisch, ästhetisch und im Einklang mit allem Sein zum Ausdruck bringt.

Dao der Stärke

Im Außen können wir nur so stark sein, wie wir im Innen sind. Der Geist lenkt das Chi, das Chi lenkt die Existenz. Sammlung, Kontemplation und Meditation und die damit mögliche Versenkung in den Geist, die Basis der eigenen Existenz, ebnen den Weg zurück zur eigenen Quelle, die im Zen »Leere« oder »Nirvana« genannt wird.

Wollen wir auf der körperlichen Ebene etwas erreichen, wissen wir, dass uns die beste Technik und auch schiere Kraft nichts nützt, wenn die innere, geistige Stärke fehlt. Weder Muskelkraft noch Technik sind wirklich entscheidend.

Erst mit der inneren, geistigen Stärke zeigt sich die wahre Kraft, sie entscheidet in letzter Konsequenz, was uns gelingen kann. Innere Ruhe, souveräne Gelassenheit, Orientierung und die Kraft zur Entscheidung sind der Schlüssel zu unseren Potenzialen. Nur der in sich selbst ruhende, klare Geist führt zur Vollkommenheit.

Wollen wir wirklich wir selbst sein, dann müssen wir zutiefst in uns selbst vertrauen, in unsere Intelligenz und unsere Kreativität, vor allem aber in unsere innere Stärke. Dann finden wir zu dem Respekt und der Achtung unserer eigenen Existenz, die uns die wahre Natur unseres Menschseins erkennen und erfahren lässt.

Dao des Erfolgs

Wahrer Erfolg liegt nicht im Erreichen von Zielen und auch nicht in der Selbstwerdung, sondern in der Präsenz des ursprünglichen Wesens.

Zu Beginn suchen wir zu bestehen, wir wollen Erfolg haben, wollen gewinnen. Dazu trainieren und vervollkommnen wir unsere Technik und üben uns in Methoden und Strategien. Haben wir Sicherheit und Beständigkeit in unseren Handlungen erlangt, suchen wir nach effektiveren Vorgehensweisen, die uns weniger Kraft kosten und unser Tun eleganter und leichter werden lassen.

Haben wir Überlegenheit erreicht, lassen uns Gewissen, Moral und Ethik nach gerechten und fairen Lösungen suchen. Je ausgeglichener und gelassener wir sind, desto mehr erfüllen uns Respekt, Achtung und Mitgefühl.

Je konsequenter wir uns darin üben, desto deutlicher tritt unser ursprüngliches Wesen in unser Bewusstsein. Das, was uns bisher von der Welt und von anderen getrennt hat, verschwindet. Wir erkennen, dass unsere Schwierigkeiten nichts anderes als ein Spiegel unserer eigenen, inneren Konflikte und Unzulänglichkeiten sind. Dann suchen wir die Antworten in uns.

In der Praxis der Bewusstheit erlöschen unsere geistigen Unklarheiten und mit ihnen unsere Schwierigkeiten in der Welt. Stattdessen werden wir fähig, spontan aus intuitivem Wissen zu handeln und zu tun, was zu tun ist.

Dao des Seins

Indem wir uns auf das Ganze, das Dao, einlassen, ohne Widerstand und ohne Vorbehalt, innerlich leer werden, leer werden von uns selbst, von eigensüchtigen Motiven, Konditionierungen, Fixierungen, Identifizierungen und falschen Wahrnehmungen, wenn dies geschieht, lösen wir uns in diesem Moment aus unseren personalen, psychischen Strukturen und werden wieder offen für den Fluss des Lebendigen.

Es ist die Bereitschaft, den Mut zur eigenen Größe zu haben, um ganz selbst-und eigenständig zu werden, wobei stets im Bewusstsein sein muss, dass das Eigene, das Selbst, ohne Unterschied zum Kosmos ist, so wie die Welle nicht verschieden von allen anderen Wellen ist, weil sie alle das Meer sind. »Selbstverwirklichung« ist die vollkommene Hingabe des eigenen Lebens an den Lebensfluss, das Dao, die bereits vor der Schöpfung vorhandene Realität, um in Harmonie mit dem Großen Weg des Kosmos zu kommen.

Es ist die höchste Wirklichkeit und das höchste Mysterium, die uranfängliche Einheit, das kosmische Gesetz und Absolute. Aus dem Dao entsteht der Kosmos, entstehen die »zehntausend Dinge«, und auch die Ordnung der Dinge entsteht aus ihm, ähnlich einem Naturgesetz, doch ist das Dao selbst keine Wesenheit, sondern der Ursprung und die Vereinigung alles Existierenden und somit undefinierbar, weil alles in sich einschließend und hervorbringend.

Dao des Selbst

Nur wir selbst sind es, die uns in die Geheimnisse des Lebens einweihen können, indem wir uns auf die Suche nach uns selbst begeben.

Es liegt an uns, ob wir die Wahrheit hinter der Kulisse des Alltäglichen und auch die Wahrheit von uns selbst erfahren. Manche schrecken davor zurück, obwohl sie doch genau wissen, dass sie etwas ändern müssten in ihrem Leben. Aber was kann uns da passieren? Außer dass wir aus einer Illusion erwachen?

Anderseits: Wenn wir weiter in der Illusion und der Welt der Konvention leben und auf etwas hoffen oder davon träumen, dass es geschieht, können wir nicht wahrhaftig leben, nicht wirklich lebendig sein und unsere wahren Potentiale werden uns verschlossen bleiben.

Was also bleibt uns, als den Schritt zu wagen, die Wahrheit über uns selbst zu finden, wollen wir der sein, der wir sind? Kein noch so weiser Lehrer kann uns die Wahrheit über uns sagen. Er mag uns wohl sagen, wo und wie wir suchen können, damit wir uns nicht in unseren eigenen Vorstellungen verfangen, aber erkennen und erfahren müssen wir unser Wesen alleine.

Wir selbst müssen uns ermächtigen zu sein, was wir sind.

Dao des Geistes

Streben nach Vollendung ist kein Streben nach einem Ideal, das man erreichen oder einem Zustand, den man sich bewahren könnte. Es ist der vollkommene Augenblick, der nicht gesucht, sondern im eigenen Tun kreiert wird.

Es ist nicht die Perfektion, die angestrebt wird, sondern der durch Perfektion möglich werdende vollkommene Augenblick, der durch seine Schönheit und praktische Vollendetheit vollkommen ist und der im gleichen Moment wieder vergeht.

Es ist das Streben, der Schönheit des Ewigen im eigenen Tun und der eigenen Präsenz Raum zu schaffen und Gestalt zu geben. Ob wir eine Präsentation fertigen, unser Essen zubereiten oder unsere Wohnung gestalten – in allem streben wir danach, die Schönheit des Einfachen und Wahrhaftigkeit des Natürlichen in den alltäglichen Dingen Ausdruck zu verleihen.

Dao der Mystik

Den Weg des Mystikers und Zen-Praktizierenden zu gehen heißt Antworten zu finden auf die grundsätzlichen Fragen, denen wir im Leben immer wieder begegnen.

Die Frage nach dem Tod

Es ist nicht der Tod, der uns beunruhigt, sondern die Frage nach dem, was von uns bleibt. Erkennen wir unser wahres Wesen, brauchen wir den Tod nicht mehr zu fürchten.

Die Frage nach der Freiheit

Die Freiheit, nach der wir uns sehnen, finden wir in der Freiheit unseres Geistes, in der inneren Ungebundenheit.

Die Frage nach der Einheit

Die Verbundenheit und Geborgenheit, nach der wir uns sehnen, finden wir im Bewusstsein der Einheit allen Seins.

Die Frage nach dem Sinn

Den Sinn des Lebens und damit den eigenen Sinn erfahren wir in der eigenen Existenz.