Gebote

Wenn es gelingen soll, darf es kein Gebot sein. Entscheidend ist nicht, was der andere sagt, schließlich mache ich ja das, was er sagt, zu einem Gebot, wenn ich es so verstehe. Es geht also ausschließlich um mein eigenes Selbstverständnis.

Kürzlich habe ich mich mit der Frage der rechten Rede beschäftigt, ein Element des achtfachen Übungsweges des Buddha. Darin ist nur von dem die Rede, was man lassen sollte. Ganz klar ein negativer Weg. Doch versteht man darunter ein Gebot, dann wird es wohl ein sehr steiniger und beschwerlicher Weg.

Ich verstehe darunter eine Empfehlung, an die ich mich gleichwohl zu halten suche. „Suche“, weil ich mich nicht zwingen darf, es aber trotzdem tun sollte. Es ist „nur“ eine Übung der Achtsamkeit, die mir gleichwohl sehr viel über mich selbst erkennen lässt, wenn ich dabei konsequent bin.

Übe ich es, wirkt es wie eine Kontrollleuchte, die im Fall der Fälle aufleuchtet und mir ein Problem signalisiert. Mehr brauche ich nicht tun, denn dann lasse ich es ganz einfach sein, ohne dass ich noch etwas tun müsste. Doch dazu ist es erst einmal notwendig zu erkennen, was es bedeutet, keine rechte Rede zu praktizieren.

Also ist der Weg ein innerer, ein Weg der Einsicht. Was hilft es mir, wenn ich nicht lüge, nicht schimpfe, Aggressionen und Beleidigungen vermeide? Es sind ganz einfach Gifte, die nicht nur Beziehungen zerstören, sondern meinen eigenen Geist regelrecht zersetzten. Auch Wut, Hass und negative Bewertungen gehören zu diesen Giften, die auch mich selbst zerstören. Habe ich das erkannt, lasse ich es.

Und beleidigt mich jemand, brauche ich das nicht anzunehmen. Mache ich jedoch ein Gebot daraus, dann übe ich innerlichen Druck auf mich aus und kann ich mir dann ziemlich sicher sein, dass es nicht klappen wird.