Geblendet durch Feindbilder

Das habe ich kürzlich gelesen. Es beschreibt perfekte die vielfach zu beobachtende Situation in der Welt. Wenn wir es schaffen, auch mit schwierigen Nachbarn in Frieden zu leben, weshalb sollen das nicht auch Nationen können?

Das bedeutet nicht, dass man sich jetzt ganz toll finden soll. Je mehr man den anderen akzeptiert und nicht nur toleriert, desto einfacher wird es. Begegne ich dem anderen freundlich und respektvoll, wird er mich regelmäßig zumindest in Ruhe lassen. Manchmal dauert es, bis die Botschaft ‚ich tu Dir nichts‘ angekommen ist; so lange, bis er sich sicher sein kann, dass ich wirklich freundlich bin und nicht nur so tue.

In der Wirtschaft ist das dann schon schwieriger. Als Anwalt habe ich immer wieder erlebt, dass man zwar freundlich miteinander umging, aber doch sehr vorsichtig und mit Abstand. Als ich zu arbeiten begann waren in meinem „Gebiet“ 20 zugelassene Anwälte, die klar differenziert werden konnten: Da waren die „Alten“, das waren so etwa 5, die freundschaftlich miteinander verbunden waren und für die der Streit vor Gericht auch eher ein Spiel war, viel Show, aber kein wirklicher Ernst.

In meiner Generation war das schon anders, da war viel zu viel Konkurrenz. Man ging (unter den Anwälten) vorsichtig miteinander um, schließlich buhlte man letztlich ja um die Mandanten. Als ich aufhörte, waren es immerhin schon 80 Anwälte – aber nicht mehr Rechtsfälle als früher auch schon. Es wurde nur mehr gestritten – seitens der Anwälte. Jeder Prozess bringt eben Geld. Und es war den Mandanten leicht zu vermitteln, die waren oft blind für die Realität.

Wie gesagt, geblendet durch Feindbilder. Da macht dann schon einmal die Fähigkeit logisch zu denken Pause. Und so ist es auch im Großen. Wir habe ein Wirtschaftssystem, aber mehrere Spieler, die sich als Konkurrenten verstehen. Und wir haben einen Markt, der von Menschen bedient wird, die glauben, dass auf Konkurrenz basierendes Wirtschaften ‚natürlich‘ wäre. Dazu hat auch die Fehlinterpretation der Ansichten Darwins maßgeblich beigetragen.

Dabei ist nicht das Wirtschaftssystem der Faktor, der geändert werden muss, sondern das Denken der Handelnden, in denen das ‚Gegeneinander‘ tief und auch fest verankert ist. Das ist das eigentliche Problem. Ändert sich das, ändert sich auch das Wirtschaftssystem.

Nur wie so oft fängt es ganz klein an. Ich kann das System ja nicht ändern, wenn nicht der kleinste Teil anders denkt. Und das ist eben der einzelne Mensch. Also kann ich nur den Einzelnen zu erreichen suchen, das System aber kann ich nicht ändern, denn ein System existiert ja nicht für sich, es ist nur eine gedankliche Annahme, aber keine Wirklichkeit.

Ein System ‚denkt‘ eben nicht, es kennt auch keine Feindbilder. Die haben die Menschen. Nur die.