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Fragen

Das Leben lässt sich nicht definieren, sondern nur beschreiben, was eine Menge offener Fragen aufwirft, aber keine eindeutigen Antworten gibt. Als Jurist habe ich gelernt, dass sich (angeblich) alles in ‚Wenn-dann-Bezügen‘ erklären und einordnen lässt, dass jede Wirkung eine eindeutige Ursache hat und der klar zuzuordnen ist. Mittlerweile habe ich aber begriffen, dass das eine unzutreffende Sicht ist, denn das Leben ist komplex und nicht vorherbestimmt.

Und da kommt wieder die Quantenphysik ins Spiel. Die zeigt uns nicht, wie mechanische Dinge funktionieren, sondern wie das Leben wirklich ist. Das ist nicht kompliziert, sondern einfach komplex. Nur weil wir Komplexität erst denken lernen müssen, erscheint sie uns so kompliziert. Der Übergang von der klassischen zur modernen Physik ist immer als eine Revolution angesehen worden. Die eigentliche Revolution liegt dabei in der Einsicht, dass die moderne Physik sich nicht mit der erkenntnistheoretischen Naivität der klassischen Physik verträgt.

Die physische Welt kann nicht unabhängig von unseren menschlichen Wahrnehmungen so erkannt werden, wie sie an sich beschaffen ist, sondern nur so, wie sie sich in unseren Erfahrungen zeigt. Es gibt jedoch ein paar Grundannahmen, die man erkennen kann, nur sagen die allein etwas über den Prozess aus, jedoch nichts über das feststellbare Ergebnis. Das ist der Grund, weshalb sich meine Stimmung mit der Musik ändert, die ich gerade spiele. Mit ihr schaffe ich ein Faktum, das meine Wirklichkeit mit formt. Es gibt nicht ‚die‘ Realität an sich, sondern ‚nur‘ die Realität, dich ich schaffe – und nicht die, die ich ‚nur’ erlebe.

Sobald ich über etwas konkret nachdenke, also ein Faktum schaffe, reduziere ich das Feld des Möglichen (nicht der spezifischen Möglichkeiten) im selben Moment auf das, was ich denke. Ich lege mich fest. Das wiederum beendet die Möglichkeit der Selbstorganisation unmittelbar. Selbstorganisation ist nur im Zustand des Flow möglich, also dann, wenn ich die bewusste Kontrolle aufgebe.

Ich muss mir darüber klar sein, dass Geist Wirklichkeit gestaltet. Die Frage ist, ob das jetzt mein persönlicher Geist oder ein übergeordneter ist? Oder nehme ich das nur getrennt wahr, was wirklich eins ist? Und ist ein Regenbogen da, wenn niemand ihn sieht? Oder der Mond, wie Einstein sich gefragt hat? Und was bedeutet es in meinem Leben, dass Zeit und Raum eine Raumzeit bilden? Wir erleben Raum, Zeit und Materie als äußere Welt und als Grundlage unserer Existenz. Diese Welt scheint unabhängig von uns zu sein. Die Auffassung, dass das tatsächlich so ist, nennt man in der Philosophie ‚Naiven Realismus‘.

Wir erleben die Welt nicht direkt, wir erleben sie bewusst, wir erkennen nur einzelne Weltinhalte. Durch das, dessen ich mir bewusst bin, schaffe ich ‚meine‘ Wirklichkeit. Atomare Strukturen sind unserer Wahrnehmung nicht unmittelbar zugänglich. Nur weil wir alle Gegenstände zumindest im Prinzip immer wieder zerteilen können, gehen wir davon aus, dass man am Ende zu den kleinsten Bausteine der Materie kommt, zu den Atomen. Doch dem ist nicht so. Nur was macht dann Materie zu Materie? Und bin nicht ich selbst auch Materie? Und welchen Einfluss habe ich auf sie? Ist das überhaupt logisch – oder nur eine Illusion?

Das ist es nämlich nicht, denn es gibt zwar die einzelne Zelle und davon jede Menge, aber dieses ‚Ich‘ ist nur ein sprachliches Konstrukt, aber keine Wirklichkeit, auch wenn ich mich so erlebe. Wie ich mich verhalte, ob ich Ordnung in meinem Zimmer oder auf meinem Schreibtisch halte, all das erzeugt ‚meine‘ Wirklichkeit. Nicht nur mein Verhalten ist eine Folge meines Denkens, sondern auch das, was ich wahrzunehmen glaube. Wieso gehe ich mit Sicherheit davon aus, dass da ein Schrank steht, den ich zu sehen glaube? Ist es nicht so, dass das Licht, das auf mein Auge trifft dann von dort als elektrische Impulse in mein Gehirn geleitet wird und erst dort zu einem Schrank wird?

All das sind Fragen, denen ich mich stellen muss, will ich wahrhaftig leben.