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Das Leben tanzen

Ja, das Leben ist ein Tanz. Ob ich lieber einen Tango oder einen Schieber tanze, darin spiegelt sich meine Haltung. Aber immer ist es ein Tanz wie auf einem Seil. Die Herausforderung ist, das Seil immer dünner werden zu lassen, so lange, bis ich keine äußeren Hilfen mehr brauche, um in Balance zu bleiben.

Was ich damit zu beschreiben suche, ist ein Flowerlebnis.

Ein Langstreckenschwimmer bei der Durchquerung des Ärmelkanals fühlt sich fast genauso wie ein Schachspieler bei einem Turnier, ein Bergsteiger beim Aufstieg in eine steile Felswand oder ein Philosoph im Gespräch über fundamentale Fragen. Oder einen Teenager aus dem Ghetto, der an einem Meisterschaftsspiel im Basketball teilnahm.

Sie befinden sich im Flow. Unabhängig von Kultur, Bildung, Gesellschaftsschicht, Alter oder Geschlecht beschreiben sie die empfundene Freude fast gleich. Was sie taten, um Freude zu erleben, unterschied sich gewaltig – die älteren Koreaner meditierten gern, japanische Teenager schwärmen gern auf Motorrädern aus – aber sie beschrieben in nahezu identischen Begriffen, wie sie sich fühlen, wenn sie Freude erlebten. 

Auch die Gründe, warum die jeweilige Aktivität genossen wurde, wiesen mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede auf. Kurz, optimale Erfahrung und die psychischen Bedingungen, die sie ermöglichen, scheinen in der ganzen Welt die gleichen zu sein.

Die Rahmenbedingungen werden von allen so beschrieben:

  • Erstens, die Erfahrung findet gewöhnlich statt, wenn wir auf eine Aufgabe stoßen, der wir uns gewachsen fühlen.
  • Zweitens müssen wir fähig sein, uns auf das zu konzentrieren, was wir tun.
  • Drittens ist die Konzentration gewöhnlich möglich, weil die angefangene Aufgabe deutliche Ziele umfaßt und
  • viertens unmittelbare Rückmeldung liefert.
  • Fünftens, man handelt mit einer tiefen, aber mühelosen Hingabe, welche die Sorgen und Frustrationen des Alltagslebens aus dem Bewusstsein verdrängt.
  • Sechstens, erfreuliche Erfahrungen machen es möglich, ein Gefühl von Kontrolle über Tätigkeiten zu erleben.
  • Siebtens, die Sorgen um das Selbst verschwinden, doch paradoxerweise taucht das Selbstgefühl nach der flow-Erfahrung gestärkt wieder auf.

Und schließlich ist das Gefühl für Zeitabläufe verändert; Stunden vergehen in Minuten, Minuten können sich vermeintlich zu Stunden ausdehnen. Die Kombination dieser Bestandteile ruft ein tiefes Gefühl von Freude hervor, welches so lohnend ist, daß man bereit ist, viel Energie dafür aufzuwenden, um es immer wieder zu erleben.

Die Komponenten des Flow – wenn er „eintritt“:

  • Herausfordernde Aktivität, für die man besondere Geschicklichkeit / Fähigkeit braucht
  • Der Zusammenfluss von Handeln und Bewusstsein
  • Ein klares Ziel und direkte Rückmeldungen
  • Konzentration auf die anstehende Aufgabe
  • Kontrolle durch Nicht-Kontrolle
  • Der Verlust des Ich-Gefühls
  • Verändertes Zeitempfindens

Die interessante Frage ist: Wie realisiere ich einen Flow im Alltag? So wie auf dem Motorrad?