Erkenntnis

Da gibt es viele Wege. Nur welchen nehmen? Manche Ch’an-Menschen praktizieren analytische Meditation, eine Form der Kontemplation, bei der man der wahren Natur des Seins nachspürt. Das verhilft letztlich zu der Erkenntnis, dass zwar der Körper auf dem Stuhl sitzt und gerade diesen Text schreibt, aber da ist kein wie auch immer geartetes „Ich“.

Mein Wesen sitzt nämlich nicht auf dem Stuhl, nur mein Körper. Um das zu erkennen, habe ich mir es etwas einfacher als der XIV Dalai Lama gemacht und meditiere nicht 5 Stunden am Tag, sondern habe das als gegeben akzeptiert, was die Quantenphysiker erkannt haben, nämlich dass die Dinge keine Substanz haben, mich dann in die Sonne gesetzt um zu erfahren, dass da tatsächlich kein Wesen von mir zu finden ist.

Das weiß ich zwar und erfahre es auch immer wieder in Flow-Zuständen, aber ich habe es noch nicht wirklich verinnerlicht. Was immer wieder und oft auch recht penetrant auftaucht, das sind diese falschen Ich-Konzepte. Aber die sind auch noch launisch, denn kaum sind andere Menschen da, können die sich schlagartig ändern und ganz anders werden. Und schwupp bin ich ein anderer – und nicht mehr der, der ich „eigentlich“ sein wollte.

Aber vielleicht ist das das Problem. Vielleicht müsste ich nur aufhören. „Etwas“ sein zu wollen. Sind es diese Ich-Konzepte, die nicht nur ich offensichtlich von klein auf beigebracht bekommen, die uns in die Falle gehen und solche Dinge glauben lassen, wie dass wir unsere Eltern retten könnten? Irgendwie müssen wir ja auf diesen letztlich unsinnigen und auch überheblichen Gedanken gekommen sein.

Oder suchen wir unsere Eltern „zu retten“, weil wir ihren Schmerz oder ihre Schuld wie Eigenes empfinden? Aber letztlich ist es eine müßige Frage, den das Ergebnis ist falsch. Punkt. Also kann diese „Erklärung“ für mich nicht stimmen.

Wir sollten daher alles tun, um wieder nach den Gesetzmäßigkeiten zu leben – statt nach unseren eigenen Regeln leben zu wollen. Meine Gesetzmäßigkeiten kann ich weder philosophisch noch metaphorisch fassen, sondern allein auf der Basis naturwissenschaftlicher Untersuchung und Erkenntnis – und letztlich in der eigenen Erfahrung. Erkenntnis ohne Erfahrung gibt es nämlich nicht.

Philosophie und Metaphysik sind nichts anderes als Hilfsmittel, die Gesetzmäßigkeiten kompatibel mit unserem Erleben zu formulieren – aber erst dann, nie vorher.