Erkenntnis und Einsicht

Definitiv nicht das Selbe und auch nicht das Gleiche. Für die Erkenntnis brauche ich Verstand, die Einsicht hingegen ist Denken durch NichtDenken und hat sehr viel mit Erfahrung zu tun.

Man kann es auch implizites Wissen nennen, Wissen, das einem nicht mehr bewusst ist. Erklären kann man den Unterschied ganz leicht an dem Beispiel Gelassenheit.

Sinn und Nutzen der Gelassenheit – nichts leichter, als das zu verstehen. Doch auf Kommando gelassen sein? Absolut unmöglich! Um gelassen zu sein, braucht es Einsicht, verstandesmäßiges Erkennen allein genügt nicht. Es braucht die Erfahrung der Gelassenheit, um gelassen sein zu können. Man kann es nicht üben, entweder man ist es oder nicht.

Einsicht, Flow oder NichtDenken gehen Hand in Hand. Dabei ist NichtDenken das Normalste auf der Welt. Nur den Wenigsten ist das bewusst. Aber es bewusst zu machen, das geht weder bei Einsicht, Flow noch bei NichtDenken.

Es geschieht oder eben nicht. Doch nur wenige sind bereit sich einzugestehen, dass sie noch nicht so weit sind. Lieber leben sie in der Illusion, alles unter Kontrolle zu haben. Obwohl sie eigentlich aus eigener Erfahrung wissen könnten, dass sie nichts bewusst unter Kontrolle haben können.

Schwierig wird es, wenn wir etwa über Gelassenheit sprechen. Sprache definiert durch die Begriffe ganz klar Grenzen. Und wo das geschieht, ist es Schluss mit der Erfahrung. Erfahrung und Einsicht sind wortlos. Kommuniziere ich sie durch Worte, dann kann sie derjenige nachvollziehen, der diese Erkenntnis selbst schon gemacht hat.

Banales Beispiel: Wie sich Motorrad zu fahren anfühlt, wird nur der verstehen, der schon Motorrad gefahren ist. Und wie es ist, eine Kawasaki Z 900 RS zu fahren wird nur der nachempfinden können, der schon eine gefahren ist. Alle anderen können nur darüber philosophieren. Oder fantasieren.

Daher ist eine Philosophie ohne eine ihr zugrundeliegende Einsicht und Erfahrung ziemlich sinnlos. Andererseits, wenn eine Philosophie auf einer Erfahrung beruht, kann ich über die Philosophie genau diese Erfahrung auch machten.

Problematisch bleibt es, wenn man Erfahrungen in Worte fasst. Ich kann etwas empfinden, nenne ich es jedoch „heilig“, ist es das schon nicht mehr, kann doch jeder Begriff nur durch sein Gegenteil existieren, den er ja aus- und von dem er sich abgrenzt.

Daher fange ich bei meinen philosophischen Überlegungen am liebsten bei wissenschaftlichen Erkenntnissen an, aber solchen, die man reproduzieren kann.