Erinnerungskultur

Einmal ganz anders gedacht.

Menschen, die heute jung sind, kennen meist niemanden mehr in ihrer Familie, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus schuldig gemacht hat oder Opfer des Regimes war. Die persönliche Betroffenheit ist also nicht mehr da, aber das ist auch eine Chance: Junge Menschen müssen die Geschichte nicht mehr abwehren, um Familienangehörige zu schützen.

Laut Umfragen können sie sich auch emotionaler auf die Verbrechen der Zeit einlassen als die Elterngeneration. Allerdings empfinden sie dabei sowohl Empörung und Angst als auch Faszination. Empörung hilft nicht weiter, Angst wird zur Gefahr, denn sie macht blind, für ganz gefährlich halte ich hingegen Faszination. 

Margit Friedländer hat die daraus resultierende Notwendigkeit so formuliert: Nachdem ich 64 Jahre in Amerika gelebt habe, bin ich zurückgekommen, um mit Euch zu sprechen, Euch die Hand zu reichen, aber Euch zu bitten, dass ihr die Zeitzeugen werdet, die wir nicht mehr lange sein können.

Das sehe ich aufgrund meiner Familiengeschichte als meine Aufgabe an; aber nicht nur das, sondern über die Erinnerungskultur hinaus die Aufgabe, genau zu verstehen zu suchen, welches Denken die Menschen dazu brachte, solche Taten zu vollbringen – und dann auch entsprechend anders zu denken!