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Einfach darüber reden oder „es“ praktizieren

Ein großer Unterschied! Vielleicht sogar ein gravierender! In meinem Beruf als Anwalt habe ich mich immer wieder darüber gewundert, wenn Mandanten mit mir über die Rechtslage diskutieren wollten. Nicht, dass ich damit sagen will, dass ich immer richtig mit meinen Ansichten lag, Gott bewahre! 

Nur reden Praktiker, in diesem Fall Anwälte, auf einer anderen Wissensebene über ein Thema als eben ein Nicht-Anwalt. Die Herangehensweise ist eine völlig andere. Was ja nicht bedeutet, dass diese Herangehensweise jetzt besser oder schlechter wäre. Sie ist einfach anders. Der Dissens lag eher in der Frage, was das eigentliche Ziel ist: Recht oder Gerechtigkeit? Nicht ohne Grund sind das zwei Begriffe. Das muss man verstehen, will man sich in dem Rechtsraum bewegen.

Lebensform und Konvention sind auch zwei Dinge, die scheinbar oft synonym verstanden werden – es aber nicht sind, genauso, wie Diskussion und Dialog wahrlich nicht das Selbe sind und sich nicht einmal gleichen. Es sind einfach verschiedene Dinge.

Will ich über Jura reden, sollte ich Jura studiert haben. Sollte ich über den Dialog reden wollen, sollte ich den studiert haben. Will ich über die Gedanken Krishnamurtis reden, sollte ich auch die studiert haben. Eigentlich sollte ich alles studiert haben, bevor ich darüber rede. Und will ich über das Leben reden, sollte ich das Leben studiert haben.

Dann kann ich auch wirklich darüber reden. Ich muss es praktizieren, also tun, will ich mehr als nur einen Smalltalk darüber führen. Das ist bei etwas, was ja jeder tut, eben zu leben, eine intellektuelle Herausforderung. Viele Mystiker sagen ja, verkürzt formuliert, dass wir erst dann leben würden, wenn wir gestorben sind.

Wollen wir wirklich über das Leben reden dann scheint das so zu sein. Ich muss mich aus meinen falschen Bildern und Annahmen über das Leben gelöst haben, will ich ernsthaft über das Leben reden.

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