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Weiter denken

Ein Gedanke vorab:

Was ich an fundamentalen Gedanken der Quantenphysik zwar gedanklich nachvollziehen kann, kann ich aber nicht wahrnehmen. Ich kann es nur denken. Erst einmal.

Es sei denn, ich bin bereit, mich darauf einzulassen. Nur bedeutet das, dass ich es nicht mehr unter Kontrolle habe, ich muss bereit sein, es geschehen zu lassen. Das wiederum bedeutet, dass ich die mentalen Sperren aufheben muss, die ich so mit mir herumtrage, ohne dabei in Mystizismus abzudriften.

Bei diesen inneren, selten bewussten Sperren, sind mir ihre Grundlagen selten bewusst. Daher kann ich sie auch nicht bewusst auflösen. Doch was ich kann, das ist mein Leben bewusst so zu gestalten, dass ich mich automatisch auf das hin ausrichte, wo ich hin will.

Ein Beispiel: Beim Motorradfahren fahre ich dorthin, wo ich hinschaue. Das ‚Hinschauen‘ habe ich nicht unter Kontrolle, aber ich kann es einüben. Ich kann auch einen Muskel nicht bewusst stärken, aber ich kann ihn trainieren.

Entscheidend ist also, worauf ich mich ausrichte. Wie gesagt, das läuft unbewusst ab, aber ich kann es einüben, indem ich merke, wenn ich es nicht mache und mich selbst darauf hinweise.

Was ist Realität?

Alles was mich ausmacht, geschieht in meinem Kopf, durch mein Denken. Die Welt, die ich sehe, existiert nur in meinem Kopf. Die ‚reale‘ Welt hat keinen Geruch, keinen Geschmack, keinen Klang, keine Farbe und keine Form. Aus den Informationen, die das Gehirn aufnimmt, ‚baut‘ es eine Realität. Meine Realität.

Was definiert die Dinge?

Was kommt zuerst? Der Inhalt oder die Form? Ganz klar, die Form und nicht der Inhalt! Alle Werkzeuge und Medien, die ich benutze, forme ich erst selbst, dann formen sie mich. Sie sind eine Extension meines Geistes.

Und ich?

Materie ist nicht wirklich, es ist Geist, der die Materie entstehen lässt, wobei dabei Information ganz entscheidend ist. Doch was bedeutet das für mich?

Vielfalt

Grundstrukturen sind sehr einfach, simple Fraktale. Es ist ihre hoch komplexe Anordnung, die daraus Faszinierendes entstehen lässt. Ach ja, die Welt ist ja nicht kompliziert, sondern nur komplex.

Komplexität

Was ‚Komplexität‘ für mein Leben bedeutet, beginne ich erst langsam zu realisieren. Jedenfalls bedeutet es nicht, dass die Dinge ‚unscharf’ wären oder es nur ‚Wahrscheinlichkeiten‘ gibt. Davon rede ich nur, solange ich es nicht so ganz begriffen habe.

Selbstorganisation

Das ist, was Neues entstehen lässt. Doch Selbstorganisation werkelt still und leise im Stillen. Will ich Selbstorganisation möglich machen, muss ‚ich‘ mich selbst vergessen können.

Bewusstsein

Die Welt ist, was mir bewusst ist. Jeder denkt sich ‚seine’ Welt. Doch das bedeutet nicht, dass es viele Welten gibt, sondern erst einmal ein ziemliches Durcheinander. Das will erst einmal geordnet werden.

Raum und Zeit

Beides existiert nicht getrennt von einander, sondern ist eine Einheit, sie sind die Dimensionen einer Raumzeit. Wie bewege ich mich darin? Und existiert sie nur in Relation zu mir selbst?

Beobachter

Gibt es den Mond, wenn ihn keiner sieht? Bei einem Regenbogen kann ich mir sicher sein, den gibt es nicht, wenn ihn keiner sieht. Er ist ziemlich relativ. Ich selbst bin der Fixpunkt meines Weltbildes – und nicht umgekehrt.

Innen und Außen

Nur eine Vorstellung? Und ist es mit ‚Zeit’ nicht genau so, nur eine kulturelle Errungenschaft?

Was ich sehe

Warum nehme ich Dinge als stabil wahr, die doch nur aus nichts Gegenständlichem bestehen? Wir reden über Atomschalen, doch das ist nur ein Erklärungsmodell, denn es gibt sie nicht. 

Wer bin ich?

Meine Existenz wird geprägt von meinem Gehirn, bestehend aus hunderten Milliarden Zellen mit einer Billiarde Verbindungen. Diese Zellen geben in jeder Sekunde Billionen elektrischer Signale ab.

Das bin ‚ich‘. Mein Bewusstsein – nur ein Funken von Neuronen. Fazit:

  1. Freier Wille ist eine Illusion;
  2. ebenso das Ich oder Selbst;
  3. das Bewusstsein gewissermaßen auch, oder zumindest tut es nichts;
  4. sogar wenn wir entdeckten, dass wir in der „Matrix“ leben, sollten wir so handeln, als ob sie die Wirklichkeit wäre und uns keine Sorgen machen. Mit anderen Worten: Neo nahm die falsche Pille.

Mein Lebensstil beeinflusst mein Gehirn – und mein Gehirn mein Leben.

Handelnder

Es gibt keinen Handelnden, bloß die Handlung. Keine Erfahrung, bloß den Erfahrenden, nur sich zusammenfügende Teile, in Wandlung begriffen.

Wer hat die Kontrolle über das, was ich tue?

Nahezu jede meiner Handlungen, Entscheidungen und Ansichten definiert mein Gehirn – über das ich keine Kontrolle habe. Das Unterbewusstsein managt das, nicht ich.

Wer entscheidet, was ich tue?

Jedenfalls nicht ich. Das macht ganz selbstständig das Gehirn. Das Gehirn trifft ständig Entscheidungen, von denen mir die allerwenigsten bewusst sind. Aber das Gehirn kann man trainieren, wie einen Muskel. Ist es entsprechend trainiert, entscheidet es auch demgemäß.

Brauche ich den anderen?

Definitiv! Wir sind extrem soziale Wesen. Meine Gehirnfunktionen brauchen die Interaktion mit den Anderen. Auch wenn ich scheinbar nicht kommuniziere, stehe ich im ständigen Gedankenaustausch mit anderen. Und das von Geburt an. Die ‚Anderen‘ prägen mich – und ich sie.

Existenz

Nichts, auch ich nicht, existiert aus sich selbst heraus. Das einzig relevante ist Beziehung. Wenn ich so will, bin auch ich nur Beziehung.

Wer werden (oder können) wir sein?

Wir haben uns ständig verändert, vom – aus heutiger Sicht – primitiven Jäger zu einem hochentwickelten Spezialisten, einem Welteroberer, der in Städten lebt und hochgradig vernetzt ist. Und das wegen der 3 Pfund glibberiger Gehirnmasse unter unserem Schädeldach.

Daher ist die Frage, was wir damit machen wollen: uns weiter bekriegen oder gemeinsam etwas Sinnvolles entwickeln. Die Chance dafür haben wir.

‚Das Leben ist ein Spiel, dessen erste Spielregel lautet: Das ist kein Spiel!‘

Diesen Gedanken von Alan Watts sollten wir endlich einmal beherzigen. Heisenberg würde da nicken und auch Einstein, der wahrscheinlich nur deshalb so vehement der Quantenmechanik entgegentrat, weil er begriff, was sie für den Menschen bedeutete.

Ein Thronsturz. Doch danach lebt es sich sehr fröhlich.