Die Welt des Möglichen

Wir leben in der Welt des Möglichen, nicht der Möglichkeiten. Sonst müssten wir uns die ja konkret vorstellen können, was wir aber nicht können. Und genau darin liegt die Herausforderung: Die Prognostition zukünftiger Ereignisse aufzugeben.

Es ist wie beim Fußball. Auch wenn eine Mannschaft die bessere, routiniertere ist, weiß man doch nicht, wie das Spiel ausgehen wird. Man kann – erst einmal – nur mit Wahrscheinlichkeiten rechnen. Vielleicht der Grund, warum sich so viele so begeistert mit Fußballspielen beschäftigen können.

In Wirklichkeit können wir nicht einmal mit Wahrscheinlichkeiten rechnen. Alles ist möglich. Wussten schon vor vielen Jahren die Werbestrategen von Toyota, was sie in diesem Film klarstellen. Nichts ist unmöglich. Doch was bedeutet das für mich?

Ich bin, wenn auch ein spätes, ein Kind der 68er Jahre. Und ich fragte mich lange, warum wir trotz der im Wesentlichen stimmigen Ideale die Welt nur so wenig verändern konnten. Die Antwort liegt ganz einfach darin, dass wir die Welt verändern wollten. Will man die Welt verändern, muss man erst einmal davon ausgehen, dass sie exakt so ist, wie man sie erlebt.

Und genau das war der Denkfehler (und ist es bei sehr vielen noch immer), der zumindest mich, wohl aber auch alle anderen schlichtweg blockierte. Um etwas verändern zu könne, muss es erst einmal existieren. Wenn ich hier übrigens von „der Welt“ spreche, ist das nur die gewohnte menschliche Anmaßung, den die Rede kann ja nur von der Gesellschaft der Menschen sein.

„Die Welt“, also die Natur, macht es nämlich vollkommen richtig. Sie geht nicht davon aus, dass etwas Bestimmtes existiert. Doch genau diesen Denkfehler machen viele Menschen: Sie denken statisch. Also müssen sie, wollen sie etwas anderes, das Bestehende verändern.

Will ich jedoch etwas Bestehendes verändern, das in Wirklichkeit überhaupt nicht existiert, werde ich nie etwas erreichen können. Eine Schraube und eine Mutter kann ich nur zusammenschrauben, wenn sie existieren. Existieren sie aber nicht, werde ich ständig versuchen, sie zusammenschrauben, aber nie Erfolg haben.

Und genau das ist passiert – und passiert noch immer. Erleben wir Ungerechtigkeiten, Krieg oder Gewalt, dann erleben wir sehr konkrete Dinge. Doch all das hat seinen Ursprung im Denken von Menschen. Und das kann der Betreffende – vorausgesetzt, er ist nicht festgelegt – von jetzt auf gleich um 180° anders machen.

Bruce Lee, den ich sehr bewundere, sagte immer, wir sollten wie Wasser sein und uns der Situation anpassen. Nur stimmt das nicht ganz, denn Wasser ist bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterworfen, denen wir Menschen aber nicht unterliegen. Wir können unsere Fließ- oder Denkrichtung jederzeit ändern und mal eben den Berg nach oben fließen. Oder denken.

Wir sind eben nicht festgelegt wie wir denken – außer wir selbst legen uns gedankliche Fesseln in Form von Überzeugungen an. Das sollten wir endlich einmal kapieren. Bedeutet auch, dass ich niemanden dazu bringen kann, anders zu denken – das kann er nur selbst. Erkläre ich ihm jedoch, was er für ein Depp ist, wird genau das Gegenteil passieren.

Er wird jetzt erst recht auf seiner Ansicht beharren. Niemand fängt an, das eigene Denken zu reflektieren, wenn er angefeindet wird. Außer natürlich, er denkt wie Bruce Lee.