Die fehlende Utopie

Vielleicht gibt es ohne Utopien keine gesellschaftliche Entwicklung. Aber sie haben einen zweifelhaften Ruf.Unter Demokratie- Praktikern ist Utopie das schlichte Synonym für Hirngespinst“, schrieb Max Frisch in der Rede, die er 1976 bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels hielt. Die Ursache dafür sah er darin, dass die Demokratie zur „Fortsetzung des Geschäfts mit anderen Mitteln“ verkommen sei.

Die „parlamentarisch-demokratische Apparatur“ erziehe zur Resignation, zur Preisgabe jeder Utopie. Was am Ende bleibe, sei eine Technokratie. Effizient, aber ohne spirituelle Substanz. Die Frage ist jedoch nicht, was „die“ Politik tun müsste, sondern was ich persönlich tue. Ganz konkret.

Für mich gibt es zwei sich scheinbar widersprechende Dinge im Leben, die sich aber nicht wirklich widersprechen, nur wenn man absolut denkt. Und das tue ich nicht, auch wenn es manchem so erscheinen mag. Nur der irrt sich. Im Alltag bin ich Pragmatiker. Doch darüber gibt es auch Utopien, die ich mit Leben erfüllen will.

Diese Utopien sind sehr konkret, nur um sie umsetzen und leben zu können, braucht es sehr viel Pragmatismus. Das und die Fähigkeit, mich immer wieder in Zweifel zu ziehen, ohne dabei zu verzweifeln.