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Die Crux des linearen Denkens

Warum denken andere Menschen so ‚schmalbandig’?“ wurde ich kürzlich gefragt, wobei mir spontan die Frage „Du nicht?“ auf der Zunge lag. Aber ich bekam es gerade noch hin, meine Klappe zu halten.

Nicht dass Sie jetzt denken, ich würde mich davor gefeit sehen, nicht auch so zu denken. Nein, das glaube ich nicht, denn ich weiß, dass dieses Damoklesschwert auch über mir hängt. Wenn ich Glück habe, hängt es gesicherter als früher über mir, aber es hängt da.

Es ist ein vollkommen natürlicher Impuls des Menschen, sich das Leben einfach zu machen, jedenfalls ist das mit vielen Studien belegt. Je klarer die Ordnungsstrukturen sind, mit denen wir denken, desto sicherer kommen wir durch unser Leben. Jedenfalls glauben wir das vielfach. Das Dumme daran ist nur, je mehr feste Ordnung es in meinem Denken gibt, desto starrer wird es auch. Eben ‚schmalbandig’.

Doch ist das zwingend? Das ist es meiner Ansicht nach nicht. Die Frage ist tatsächlich, ob ich linear oder komplex denke. Bevor Sie diese Frage für sich selbst beantworten, machen Sie erst einmal klar, dass unsere ganz normale Sprache definitiv linear ist.

Deshalb ist es so schwierig über komplexe Dinge zu sprechen. Unmöglich ist es, wenn nicht beide Gesprächspartner komplex denken oder zumindest bereit sind, sich darauf einzulassen.

Komplex zu denken‘ ist etwas anderes, als aufwendig und auch als vernetzt zu denken. Komplexes Denken geht darüber hinaus. Erst einmal hat es eine sehr simple Grundstruktur, die dem Tetralemma entspricht. Logik etwa ist kein Grundbaustein, sondern ein Element der Verifikation meiner Annahmen in einer spezifischen Situation.

Logik funktioniert bei rückwärts gerichteter Betrachtung von Denkprozessen, aber nicht vorwärts. Nutzt man jedoch Logik um vorwärts zu denken, wird es ‚schmalbandig‘, denn damit wird die Komplexität des Denkens ausgeblendet.

Es ist wie beim Fußball: Es gibt zwar einige Regeln, doch man weiß nie, wie sich das Spiel entwickeln wird. Allein die Tatsache, dass der Mittelstürmer gerade Stress mit seiner Frau hat und den Kopf nicht frei bekommt, kann dazu führen, dass die Mannschaft das Spiel verliert.

Und um genau das zu vermeiden, denken Menschen ‚schmalbandig‘. Man lässt sich auf Komplexität nicht ein, sondern versucht das, was man tun möchte, kalkulierbar zu machen. Aber es ist eben wie beim Fußball: Nicht kalkulierbar, nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagbar.

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