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Der Umgang mit Illusionen

Illusionen sind so lange wirklich, wie man an sie glaubt. Dann existieren sie für einen selbst, und das ganz konkret.

Das lässt sich sehr gut an dem Thema ‚Macht‘ darstellen. Ich persönlich habe ‚Macht‘ noch nie irgendwo herumstehen oder -laufen sehen, auch nicht, als ich noch an ‚Macht‘ glaubte. Daraus ziehe ich den – möglicherweise verwirrend – Schluss, dass es ‚Macht‘ überhaupt nicht gibt. Nur was ist es dann? Jedenfalls keine Fiktion, nichts Eingebildetes, sondern eine Illusion.

Es existiert nur deswegen, weil man glaubt, dass es Macht gibt. Das unterscheidet die Illusion von der Fiktion. Macht existiert ganz real für den, der an sie glaubt. Und er wird alle seine weiteren Überlegungen und vor allem seine Überzeugungen dem entsprechend organisieren. Die Illusion der ‚Macht’ ist ein fester Bestandteil seines Weltbildes, und genau deswegen nimmt er überall Macht wahr.

Selbst wenn es eine Illusion ist, für ihn ist ‚Macht’ real. Erst einmal. Es sei denn, er erkennt, dass ‚Macht’ eben eine Illusion ist, ein gedankliches Konstrukt. Dazu muss man Macht genau beschreiben. Nicht was sie vermeintlich macht, sondern ihre eigene Substanz.

Da wird man sich sehr, sehr schwer tun. Es ist einfach nur ein Phänomen, so ‚wirklich’ wie ein Regenbogen. Erkennt man das, dann kann er damit anfangen, ‚Macht’ aus allen seinen Denkstrukturen wieder heraus zu bekommen. Ein Problem für viele, die glauben, allein mit der Erkenntnis, dass Macht eine Illusion ist, wäre ihr Denken in Ordnung, nur weil sie es grundsätzlich begriffen haben. Wieder so eine vertrackte Illusion.

Macht gibt es also nicht wirklich, vielmehr wird damit versucht, eine spezifische Beziehungsdynamik zu beschreiben, die man tatsächlich nicht versteht. Reduziere ich eine Beziehungsdynamik auf den Begriff ‚Macht’, negiere ich nicht nur die Komplexität der Beziehung, sondern kann dann auch die Lösung nicht sehen, die – würde ich den Prozess und nicht nur eine fixierte Ansicht darüber wahrnehmen – vielleicht offensichtlich ist. Und richtig übel wird es dann, wenn ich dem Versuch einer situativen Beschreibung den Status der Allgemeingültigkeit gebe.

Beschreibe ich etwas, dann kann ich immer nur die Bewegungen als solche darzustellen versuchen. Es gibt nie zweimal die identische Beschreibung, außer, ich beschreibe die Bewegung eines Roboters. Verwende ich statische Begriffe für das Verhalten einer Person, dann mache ich sie in meiner Vorstellung leider zum Roboter. Was sie aber eigentlich nicht ist.

So lange man an eine Illusion glaubt, ist eine Lösung auch nur auf einer illusionären Ebene möglich. Auf eine Illusion kann man logischerweise nur wieder mit einer Illusion antworten. Ein destruktiver Teufelskreis.

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