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Der Kosmos und „ich“

Bin ich eine Art biologischer Quantencomputer? Diese Frage drängte sich mir (wieder einmal) auf, als ich diesen Artikel über den Transport von Licht in Atomwolken las. Meine grundsätzliche Annahme ist, dass all das, was wir technisch realisieren können, tatsächlich auch bei uns selbst passiert. Die Frage ist natürlich, was da genau passiert. Und ob wir es überhaupt merken.

Es ist eine Herausforderung, in einem verschwindend kleinen Teil (ich) das aberwitzig große Ganze (Universum) zu sehen. Wir wissen insgeheim alle, dass unsere Erscheinung nichts weiter ist, als ein aufblitzender Wassertropfen auf dem Kamm eines zerstörerischen Tsunamis, gemessen an der Grandiosität des Universums. Aber die „Idee“ dahinter, also der Kosmos, wie das die alten Griechen nannten und die Prinzipien, die letztlich das Universum so sein lassen, wie es ist, das alles ist ja auch in mir.

Das Meer und ein Gischttropfen sind letztlich identisch, beide sind nur Wasser. Geht man noch eine Ebene tiefer, wird die Identität offensichtlich. Unterschiedliche Größe, unterschiedliche Erscheinungsform, aber identische Substanz. Max Planck, der Vater der Quantenphysik, formulierte es so: „Alle Materie entspringt und existiert nur durch eine Kraft. Wir müssen annehmen, dass hinter dieser Kraft ein bewusster, intelligenter Geist steht. Dieser Geist ist die Matrix aller Materie.“ Das ist für alles gleich, so schwer das vorstellbar ist. Überall und in allem die identischen Prinzipien.

Hans-Peter Dürr hat es etwas poetischer formuliert, er meinte, das die Quantenphysik herausgefunden habe, dass Geist und Materie sich zueinander verhielten, wie die Ahnung zum Gedanken. Er ist jedoch der Ansicht, dass das alles mit unserem herkömmlichen Physikverständnis (wobei ich das auf unser Verständnis von Wirklichkeit allgemein beziehe) nicht vereinbar sei, denn in unserer Realität sei es nicht möglich, was in der Quantenwelt passiert. Dennoch passiere uns nur, was dort vorgeschrieben sei. Den Satz darf man definitiv nicht überlesen.

Was ein ganz anders Verständnis von Realität von mir verlangt, lasse ich mich auf diese Gedanken ein. Ich habe vor kurzem meine CD-Sammlung sortiert. Da finden sich Lieder und Songs aus meiner Jugend (zum besseren Verständnis – ich bin 1951 geboren) genauso wie Orgelkonzerte von Bach und auch einige Stücke, die ich unter dem Genre „Mystik“ einsortiert habe. Das alles sind Facetten von mir, doch sie ergeben nur dann einen Sinn, wenn man das Ganze sieht und nicht bei einer einzelnen Facette hängenbleibt. Es sind nämlich Facetten und eben keine Aspekte! Wir Menschen sind eine Art Diamant, dessen wirklicher Charakter erst in seinen Facetten erkennbar wird. Was uns also manchmal als komplette Ansicht erscheint, ist nur ein kleiner Ausschnitt des Ganzen.

Damit komme ich auf meine Eingangsfrage zurück. Ich bin, wie alles andere auch, eine Facette des Kosmos. Gerade hat in einem Post jemand festgestellt, dass wir Menschen alle die Wahrheit hätten, was mich spontan zu der Bemerkung brachte, ob wir nicht vielmehr die Wahrheit sind! Wenn das aber so ist, dann bleibt uns diese Wahrheit immer verborgen, so wie ein Auge sich selbst nicht unmittelbar wahrnehmen kann. Dazu braucht es schon einen Spiegel. Ein Grund mehr, uns endlich zusammen zu tun und dialogisch (!!) miteinander zu reden.

Nur welche Konsequenz ergibt sich daraus, dass der Kosmos und ich den identischen Prinzipien folgen? Wir Menschen haben sehr wohl die Möglichkeit, unsere Zukunft zu gestalten. Die Zukunft darf jedoch nicht auf eine gewusste oder bewusste Vergangenheit reduziert werden. Dafür müssen wir viel mehr Facetten des Ganzen zu erkennen suchen. Die Zukunft ist nicht determiniert, sondern wirklich offen, und aus genau diesem Grund brauchen wir das Instrument des Dialogs. Nur so können wir des Ganzen gewahr werden.

Diskussionen, Diskurs und Dispute hingegen machen mich blind, denn sie verletzen das Prinzip der Einheit.

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