Denken

Aber bitte richtig! Wie sagte doch Huang Po? „Alles begriffliche Denken ist eine irrtümliche Meinung.“ Nur was meinte er damit überhaupt? Sicherlich nicht, dass ich nicht mehr denken soll, das geht ja auch nicht.

Wenn ich Gedanken habe, denke ich nicht mehr, sondern denke nach, mit einem Bezug auf das, was war und nicht auf das, was ist. Dessen muss ich mir bewusst sein; nur so verhindere ich, dass ich über das Jetzt oder Zukünftiges nachdenke.

Ich brauche mich nur an einen Genesungsprozess oder eine Flow-Situation erinnern. Da denke ich zweifelsfrei durch Nicht-Denken. Das „Nicht“ steht ja nicht dafür, dass da nichts wäre, sondern dafür, dass ich es nicht – im üblichen Sinn – bewusst wahrnehmen könnte.

Was wiederum die Frage aufwirft, was „bewusst“ oder „Bewusstsein“ überhaupt ist. Um das zu verstehen muss ich mir bewusst sein, dass es drei unterschiedliche Zustände in der Bewusstheit gibt, die – schaut man nicht genau hin – sehr ähnlich sind und oft auch gleichgesetzt werden, nämlich einmal „Vor-Ich-“, „Ich-“ und „Trans-Ich-Bewusstsein“.

Oder Prä-Personal, Personal und Trans-Personal. Jeder dieser Zustände hat eine andere Bewusstheit und damit ein anderes Denken. Bin ich mir dieser Zustände nicht bewusst, verfalle ich leicht dem Irrglauben, dass alles, was nicht rational ist, als „ganz“und „heil“ anzusehen ist, wohingegen alles Rationale den Anschein des Fragmentarischen, Abgetrennten und Unvollständigen mit sich zu bringen scheint. 

Ein fataler Irrtum, geht es doch darum, die Offenheit und die Fähigkeit eines Kindes zu Staunen mit dem Wissen des (alten?) Weisen zu verbinden.