Das Spiel will gespielt sein.

Nur nach welchen Regeln? Das ist die Frage alle Fragen! Darüber brüte ich schon, seit ich das Buch „Die hohe Lehre“ von Hubert Benoît das erste Mal gelesen habe. In meinen Gedanken ging es immer um die eine Sache: Jeder ist in einer Person Schauspieler, Regisseur, Autor und Bühnenbildner des Stücks, das wir im Leben aufführen. Nur die wenigsten sind sich dessen bewusst.

Und ich? Gelegentlich. Kürzlich wurde es mir wieder bewusst, als wir über unsere Bekannten sprachen und die Geschichten, die sie erzählen. Uns selbst übrigens eingeschlossen. Auch wir erzählen immerfort Geschichten, meist die Gleichen oder sogar die Selben. Ich habe mich schon ernsthaft gefragt, anhand meiner Texte einmal ein Psychogramm über mich selbst erstellen zu lassen, um mir die Hintergründe meiner Geschichten bewusst zu werden, der eigentlichen, mir vielleicht noch nicht bewussten „Story“.

Story-Telling ist im Business ja sehr in Mode, nur sehen leider wenige, dass das sowieso alle machen. Nur eben nicht bewusst. Welche Story will also ich erzählen? Eines ist klar, es soll eine sein, die mit der Wirklichkeit harmoniert. Doch was ist Wirklichkeit? Was mir Kirchen, Philosophen oder der Mainstream, die allgemeine Meinung erzählen? Bis auf die Philosophen gebe ich da nicht mehr viel drauf, zu sehr widersprechen sie sich. Die wichtige Frage bleibt immer: „Sind sie wirklich an der Wahrheit interessiert? Oder haben sie ganz andere Interessen?

Es gibt eine Gruppe von Menschen, die sich zwar auch gewaltig irren können, aber letztlich keinem anderen Interesse verpflichtet sind als herauszubekommen, wie es tatsächlich ist, das sind die Wissenschaftler. Und wenn man nur die Fakten nimmt, dann scheint mir, dass man damit auf der ziemlich sicheren Seite ist. Absolut sicher kann man ja nie sein. Jedenfalls bereiten die Wissenschaftler die Basis, auf der sich unsere Philosophien über das Leben und natürlich auch über uns selbst gründen sollten. Oder vielleicht doch eher müssen?

Die Wissenschaftler, die am heftigsten an unserem tradierten Wirklichkeitsverständnis rütteln, um nicht zu sagen, dass sie es komplett auf den Kopf stellen, das sind die Physiker. Ich finde sie haben eine besondere Bedeutung, nicht nur, weil sie viele unserer Techniken erst möglich gemacht haben, sondern weil etwa die Struktur von Newtons Physik sich auch in der Struktur unserer Sprache wiederfindet, jedenfalls bei den westlichen Sprachen ist es so.

Nur wissen wir, dass Newtons Physik ihren Absolutheitsanspruch, den sie bisher hatte, angesichts der Erkenntnisse der Quantenmechanik aufgeben muss. Sie zeigt allenfalls ein relatives und sehr subjektives Bild der Wirklichkeit, nicht aber die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist. Und exakt das gilt auch für unsere Sprache. Was man daran merken kann, dass die Wirklichkeit nicht wirklich in Worte zu fassen ist, sich aber perfekt durch Mathematik ausdrücken lässt.

Was uns fehlt ist eine ‚mathematische Sprache‘, dann könnten wir besser über die Welt – und uns selbst – kommunizieren. Vielleicht hilft einfach ein verändertes Bewusstsein? Wäre doch einen Versuch wert! Also muss ich die Basis für das Spiel des Lebens erkennen. Das ist das eine, das andere ist, ich muss erkunden, was es bedeutet, wenn ich „ich“ sage. Wie kommt das „ich“ zustande?

Wenn ich „ich“ sage, beziehe ich Position. Und ich stehe, während ich „ich“ sage, ausserhalb meiner selbst. Das Ich, von dem ich rede, wenn ich mich selber meine, ist immer ein Entwurf. Eine Behauptung, die ich aufstelle. Und indem ich das tue, mache ich mich zu etwas, von dem ich vielleicht sogar weiß, dass ich es nicht bin. Aber gerne wäre.

Da kippt die Lizenz, sein zu dürfen, wie man ist, in den Zwang, als der zu erscheinen, der man sein möchte. Kluger Satz, leider nicht von mir. Wie nur löse ich dieses Dilemmata auf?