Das Richtige tun

Dazu gehören zwei Dinge: Wissen und Flow. In dem Video „Losing yourself in flow state“ von Diane Allen wird das – indirekt – thematisiert, genauso wie in diesem Video über die Zubereitung von Tee. Oder, wenn Sie wollen, in der Kunst ein Motorrad zu fahren. Ein Möglichkeit ist auch zu kochen, so wie Malte Härtig es in seinem Buch „Kaiseki: Die Weisheit der japanischen Küche“ beschreibt. Was auch immer man sich aussucht, es geht um diese zwei Dinge: Um fundiertes Wissen und um ein Handeln im Flow.

Es braucht wohl keine großen Erklärungen, dass ich, über je mehr fundiertes Wissen ich verfüge, desto besser wahrnehmen kann, was wirklich ist. Und unser heutiges Wissen eröffnet uns da bisher ungeahnte Perspektiven. Wenn ich einen Baum betrachte, dann sehe ich oberflächlich betrachtet einen Baum, doch ich bin mir bewusst, dass der Baum nicht statisch ist, sondern ein Prozess.

Wenn ich mit dem Auto darauf zufahre, brauche ich mir dessen nicht bewusst zu sein, es genügt, wenn ich mich mit der relativen Wirklichkeit begnüge und einen Bogen drumherum mache. Wäre ich jedoch Waldbauer, dann würde dieses Wissen nicht genügen, ich müsste den Baum schon als Prozess wahrnehmen, will ich auch in Zukunft noch welche haben. Ich brauche also fundiertes Wissen, will ich das Richtige erkennen.

Das andere ist der Flow. Der spielt eine so bedeutsame Rolle, ganz einfach, weil wir in diesem Zustand scheinbar nicht denken. Was natürlich nicht stimmt, wir denken nur nicht bewusst und vor allem, wir denken nicht über etwas nach. Tun wir es doch einmal, dann ist es vorbei mit dem Flow. Diane Allen erklärt, wie man seinen eigenen Flow-Zustand herausfindet und wie man ihn absichtlich herbeiführt.

Entscheidend ist, dass wir uns dabei selbst vergessen. Und das müssen wir wohl oder übel lernen, wollen wir wirklich das Richtige tun. Ich bin der Überzeugung, dass wir, sofern wir über das erforderliche Wissen verfügen und nicht mehr darüber nachdenken, ganz automatisch das uns Bestmögliche und zumindest das für uns aufgrund unseres Wissenstandes Richtige tun werden.

Ich jedenfalls bin bereit, mich darauf einzulassen und zu sehen, ob es tatsächlich so ist. Die alten Ch’an-Menschen glauben es, gehen sie doch davon aus, dass jeder Mensch im Grunde gut ist, sofern nicht der Geist verwirrt ist. Den Geist zu entwirren, dabei hilft verifiziertes Wissen und eben der Flow, weil der mich nicht bewusst denken lässt. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist nicht zu urteilen und nicht zu bewerten sowie immer danach zu trachten, die Wirklichkeit zu erfassen, wie sie wirklich ist.

Die Kehrseite ist, solange ich mich in der Konvention bewege, ist die Tür verschlossen, denn dann folge ich äußeren Bedingungen und tradierten Vorstellungen, nicht aber meinen eigenen. Noch etwas ist wohl auch nicht verzichtbar, das ist die konsequente Reduktion innen wie außen. Nur so ist eine ablenkungsfreie Konzentration möglich.

Die Frage ist weniger, wie wir in den Flow kommen, sondern eher wie wir ihn verhindern, was jedoch nicht bedeutet, nichts lernen (üben) zu müssen. Schauen Sie einmal hier! Also schaffen wir die Voraussetzungen für den Flow – denn damit schaffen wir entsprechend unseres Wissens das Richtige. „Richtig“ ist es aber nur deshalb, weil wir uns keine Gedanken mehr darüber machen – weil wir uns in einem Flow bewegen und es da kein richtig oder falsch mehr in unserem Denken gibt.