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Das ‚moderne‘ Kōan

Das ist nichts Philosophisches und auch nichts Mystisches, sondern eine der ganz normalen fundamentalen Fragen, die vor allem die Quantenphysik so mit sich bringt.

Mit dem üblichen Denken, das auf Eindeutigkeit, Berechenbarkeit und klare Strukturiertheit aufbaut, lassen sich solche Kōans absolut nicht lösen. Aus genau diesem Grund muss man den Dingen schon auf den Grund gehen, will man sie wirklich verstehen. Etwa der Frage, ob grün wirklich grün ist.

Kürzlich ging es in einem Gespräch über „objektive“ Wahrheit genau darum. Da alle (sehenden) Menschen „Grün“ als „Grün“ erkennen würden, sei das objektiv wahr. Aber ist das wirklich so?

Mein Einwand, dass es schon deswegen ein Problem mit der Behauptung gibt, dass alle Menschen „Grün“ als „Grün“ erkennen würden, einfach deshalb, weil es die Farbe „Grün“ als solche ja nicht gibt, wurde nicht erhört. Vielmehr wurde mit der Bitte um mehr gedankliche Disziplin gekontert. Und genau darum geht es: Gedankliche Disziplin.

Ich kann ja überhaupt keine Farbe wahrnehmen, sondern nur eine entsprechende Lichtfrequenz. Nur ist auch das leider nicht wirklich korrekt, denn die Lichtfrequenz für sich alleine macht noch lange kein Grün.

Schaut nämlich niemand hin, ist da auch keine Spur von „Grün“. Also gehört auch der Wahrnehmende dazu, damit das „Grün“ entstehen kann. Also erst einmal sein Auge und dann natürlich auch sein Gehirn. Was aber sieht eine Fliege, wenn sie das selbe grüne Blatt anschaut wie ich? Oder ein Hund? Die sehen ein ganz anderes „Grün“ als ich Mensch. Ob man das überhaupt „Grün“ nennen kann ist die Frage.

Bedenkt man all das, dann kommt man um die Feststellung nicht herum, dass es „Grün“ objektiv nicht gibt. Nur subjektiv! Ganz klar, ein Kōan! Denkt man auf der „normalen“ Verstandes- und Wahrnehmungsebene, versteht man es einfach nicht. Man muss schon bereit sein, hinter die Dinge zu schauen.

Vielleicht macht einem das die Frage Einsteins verständlicher, ob denn der Mond da sei, wenn keiner hinschaut. Stimmt! Wenn also wirklich niemand hinschaut, ist da kein Mond, jedenfalls nichts, was wir üblicherweise unter einem Mond verstehen.

All das sind Sachen, die ich nicht wirklich wissen muss, will ich etwa den gerade gekauften IKEA-Schrank zusammenbauen. Wenn ich jedoch wissen möchte, weshalb ich bin, wie ich eben bin (oder ein anderer), dann ist es ganz hilfreich, einmal hinter die Kulisse meiner Wahrnehmung zu schauen.

Meine Wahrnehmung zeigt mir immer nur das Offensichtliche, nicht aber das Hintergründige. Und genau darauf kommt es sehr oft an, will man das Leben verstehen.

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