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Gestaltung

Solange ich nicht erkannt habe, dass ich in einer gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit leben, bin ich für ein wesentliches wahrhaftiges Leben nicht zu begeistern.

Ganz einfach deshalb, weil ich meine Identität, meine Vorstellung von »Ich« aus eben dieser Illusion schöpfe, die ein wesentliches und wahrhaftiges Leben verhindert.

Ich lebe, wie ich denke, denn entsprechend organisiere ich mich. Etwas intellektuell erkannt zu haben, lässt mich noch lange nicht wirklich anders denken. Leider.

Anders zu denken heißt, mich anders zu organisieren – gerade im Außen! Da ist für mich direkt erfahr- und erkennbar, was tatsächlich in mir vorgeht. Ich kann zwar wissen, was ich empfinde, doch nicht ohne weiteres, was ich dachte, dass ich gerade so empfand und nicht anders.

Alles was ich differenziert wahrnehme, ist wie die Gischt des Meeres, von ihm nicht getrennt, sondern nur differenziert. Was wahrnehmbar ist, hat seine eigene Realität und nicht nur seine eigene Wirklichkeit.

Verbunden bin ich nicht in der Realität, sondern in den grundlegenden Prinzipien, nach denen ich die Realität gestalte. Das ist das undifferenzierte Eine, das tiefe Meer, nichts, was ich sehen oder wahrnehmen könnte, ich kann mir dessen nur in meinem Denken bewusst sein.

Meine Realität ist weder statisch noch vorgegeben. Sie ist im Augenblick genau so, wie sie ist, doch sie gestaltet sich entsprechend dem, wie ich das Augenblickliche interpretiere und wie ich dem gedanklich begegne. Was ich erlebe ist das, was ist, doch welche Schlüsse ich daraus ziehe, das liegt an mir, eben an dem, wie ich denke. Das und nichts anderes gestaltet meine Realität. Doch ich darf nie übersehen, dass meine Realität immer auch im Fluss ist, also jederzeit änderbar.

Wenn ich mir meiner selbst bewusst bin, schaffe ich in meinem Leben die Voraussetzung dafür, um im Einklang mit dem Kosmos und allem was mit begegnet zu leben. Nur durch Sammlung und Konzentration kann ich die notwendige geistige Klarheit bewahren, frei von Ablenkung und Selbstbezogenheit.

Genau so will ich leben! Nichts als eine Bewegung im Geist.

Wie aber soll das möglich sein? Ich denke, es ist recht einfach. Es ist ein kreativer Prozess. Und der hat drei ‚Zustände‘. Es beginnt mit dem Potential. Bin ich mir meines Potentials nicht bewusst, kann ich es auch nicht leben.

Doch das ist nur ein Drittel des Ganzen, sozusagen. Denn ich brauche auch eine mentale Vorstellung, was ich damit mache. Ich muss dieses Potential auch manifestieren, eine konkrete Vorstellung davon entwickeln.

Dann kommt das letzte Drittel, vielleicht das Schwierigste. Ich muss es auch realisieren. Das ist für viele Menschen (leider auch für mich) so schwierig, denn dabei darf ich nicht mehr nachdenken, sondern muss es ganz einfach machen. Ich muss in den Flow kommen.

Ich kann es auch anders formulieren. Das Potenzial ist mein Wesen. In meinem Selbstverständnis manifestiert es sich (oder auch nicht, wenn ich reduziert denke). ‚Sichtbar‘ wird das dann in meiner Präsenz. Versuche ich bewusst etwas darzustellen, sieht jeder, dass das nicht funktioniert, ich bin es einfach nicht.

Wichtig ist den Prozess zu sehen:

Wird der immer wieder unterbrochen, kann es nichts werden. Es ist wie bei Flugzeugen: Zum starten brauchen sie jede Menge Energie. Doch sind sie einmal oben, geht es mit wenig Aufwand dahin. Verfährt man nach dem Prinzip ‚an – aus – an – aus – an …‘, nennt man das den ‚Sägeblatteffekt‘. Das kostet derart viel Energie, dass man damit garnicht erst anfängt.

Auch hier zeigt sich sehr deutlich, wie entscheidend die Form ist und nicht der Inhalt. Auf den Inhalt habe ich keinen Einfluss, jedoch habe ich den auf die Form! Das Potenzial kann ich lernen und die Form, also den Bereich der Manifestation, kann ich bewusst lenken, nicht jedoch die Realisation.