Das in sich differenzierte Eine.

So hat es Hans-Peter Dürr genannt, sprach er über das Universum. Ein Strand zum Beispiel existiert ja nicht wirklich als solcher, er besteht nur aus einer Vielzahl von Strandkörnern, das jedes für sich existiert, so wie auch mein Körper aus Billionen von Zellen besteht und nur ein zusammengesetztes Etwas ist.

Gibt es gleichwohl oder trotzdem eine Idee des Strandes, so wie auch ich selbst als eine Idee in meinem Geist existiere, wie Shunryu Suzuki es einmal formuliert hat? Eine Idee, die die Beziehung zwischen den Sandkörnern wie den Zellen initiiert und bedingt? Bei meinem Körper ist es leichter nachzuvollziehen, dass die Zellen ein eigenes Innenleben haben, bei den Sandkörnern schon schwieriger, dabei basieren Strandkörner wie Zellen auf der identischen atomaren Basis.

Was ich hier mache, rational zu überlegen, bringt mich nur theoretisch weiter, aber nicht praktisch. Das hat sich gerade zwischen meine Gedanken geschoben, da ich an Schrödingers Katze dachte. Er dachte sich dieses Gedankenexperiment ja aus, um zu demonstrieren, dass die gedankliche Brücke zwischen mikroskopischen und makroskopischen Phänomenen noch fehlt. Nur so als Zwischenbemerkung, damit ich nicht vergesse, das hinterher auch noch zu leben.

Also, ‚Ich‘ bin sozusagen erst einmal nur eine Idee von mir. Dann sind da Elementarteilchen, Atome und Moleküle, die die Zellen bilden, danach kommt ‚Peter‘, der denkt und handelt. Also Idee – Realisierung – Ergebnis oder Geist, Materie und wieder Geist, wenn auch ganz anders als der ursprüngliche. Über den ursprünglichen Geist kann ich nicht nachdenken, ich kann ihn nur gedanklich feststellen, aber nicht beweisen, dass es ihn gibt.

Das werden mir die Mystiker dieser Welt sicher bestätigen. Einer der Gründe, weshalb sie auch so Schwierigkeiten haben, den Menschen nahe zu bringen, wie sie DIE die Welt denken und sehen. Denn erklären kann man das nicht, nicht in unserer Sprache. Die bezieht sich vollkommen auf die Zwischenwelt des Wahrnehmbaren; andererseits kann man der Welt des absoluten Geistes in der Welt des reinen Denkens, dem Denken ohne Begriffe, in ‚meinem‘ Geist ausdrücken.

Die Anführungszeichen bei ‚meinem‘ Geist stehen dafür, dass wenn der Geist nicht durch Täuschungen verschleiert ist, sich der Absolute Geist mit ‚meinem‘ Geist trifft, denn dann ist es nicht mehr ‚meiner‘, da es dann kein ‚Ich‘ mehr gibt, das ihn besitzt. Sobald ich aber über etwas reden will, bewege ich mich in der Zwischenwelt, in der es Sandkörner und Strände gibt, so wie auch Zellen und mich. Nur wenn ich in der Lage bin darüberhinaus zu denken, also bereit bin, ganz nach unten zu gehen, komme ich ganz oben wieder raus.

Mit anderen Worten, wenn ich beides, das Eine wie das Wahrnehmbare, das Differenzierte, gleichermaßen zu denken in der Lage bin, sozusagen parallel, dann kann ich darüber reden. Ein anderer kann das auch verstehen, wenn er das selbe macht, nämlich das Eine wie das Wahrnehmbare zu hören. Doch dazu muss er schweigen. Darum ist das auch nur im Dialog möglich, ohne Rede und Gegenrede, nur die eine Rede und dann die andere, ohne das Bedürfnis zu Erwidern.

Das Eine, den absoluten Geist, kann ich nur empfinden, so wie ich die Luft um mich herum empfinden kann, aber ohne Wärme, ohne Windbewegung, ohne Geruch, rein gedanklich, ohne Vorstellung. Einfach nur Luft. Im Grunde nicht einmal eine Empfindung, nur etwas, das zwar existiert, ich aber nicht wahrnehme, weil es nicht wahrnehmbar ist. Kann ich also das Eine so empfinden und mir dies wie meine Kleider überziehen – wir wissen ja, dass Kleider Leute machen – und aus der entsprechenden Haltung heraus sprechen, dann spreche ich zwar fragmentiert, aber aus dem Einen.