Das Dilemma

Wer bin ich und wie will ich sein? Eine klassische Double-Bind-Situation. Entweder ich bin wie ich bin – oder wie ich sein will. Es ist ja schon ein Fortschritt, wenn ich mich aus der Vorstellung gelöst habe, wie ich meine, sein zu sollen und mich endlich frage, wie ich wirklich sein will.

Nur, dass ich bei der Frage, wie ich sein will, mich gedanklich neben mich stelle, ich mich also aus einer dissoziierten Position betrachte und argumentiere – was ja in Wirklichkeit überhaupt nicht sein kann. Was ist es dann? Bin ich mir dessen nicht bewusst, erliege ich einer Illusion. Ich kann ja nicht über mich nachdenken, wenn ich selbst es bin, der denkt.

Ich kann nur über jemand anderes nachdenken – oder einfach nur denken. Über mich kann ich nicht (nach-) denken. Einfach nur denken, das kann ich nur im Flow. Wie also komme ich in den Flow? Wie sagte doch schon Friedrich Schiller in „Wallenstein“, wo sich im zweiten Teil die Stelle findet: „O! Der ist aus dem Himmel schon gefallen, der an der Stunden Wechsel denken muss. Die Uhr schlägt keinem Glücklichen.“

Entscheidend ist, dass ich in der Lage bin,  ich vollkommen auf nur eine Aufgabe zu fokussieren, was zur Erreichung langfristiger Ziele extrem wichtig ist. Wahre Produktivität bedeutet eben nicht, fünfzig Dinge von meiner Tod-Do-Liste abzuhaken oder 20 durchschnittliche Artikel zu kritzeln. Wie also komme ich in den Flow?

Finde eine Arbeit, die Du liebst.
Wähle einen wichtigen Auftrag.
Wähle den richtigen Schwierigkeitsgrad.
Finde Deinen Zeitpunkt.
Trainiere Deinen Fokus.
Geniesse den Zustand.
Bleib am Ball.
Feiere Deine Erfolge.

Wenn Sie jetzt denken, das wäre ja wie gut Motorrad zu fahren oder auf einer Orgel richtig gut Bach spielen zu können, dann liegen Sie nicht falsch, sie liegen sogar vollkommen richtig. Doch hier geht es nicht um irgendeine Tätigkeit, sondern darum, wer ich bin und wie ich sein will, jedoch ohne darüber nachzudenken, denn nur dann hört die Dissoziation auf.

Zu Beginn braucht das mit Sicherheit Orientierungshilfen, jedenfalls solange, bis es mir in Fleisch und Blut übergangen ist. Dann ist da kein Denken mehr, nur noch tun – und Bewusstheit.